lieber Gu
stav, nun
sitz ich hier, in
Wiesbdn nicht im Wiener Café seit
Sonntag. Gerade in
Wiesbaden, wie
so? Ich
bin ins Rollen gekommen, von
München aus. Dort
habe ich, in den Tagen, wo die
Brücken
ein
stürzten
, verabredetermaßen,
M. E. getroffen; beide kamen wir grad an dem Tag an, bevor wir
beide, ich von
Ischl aus,
sie von
Partenkirchen aus von der übrigen Welt
abge
schnitten gewe
sen wären. Er folgten einige recht hüb
scher Tage wollte ich
pikant
sein,
so könnte ich hinzu
setzen »und Nächte«. Aber ich will nicht pikant
sein
u auch nicht reno
mmiren – al
so
sagen wir »Abende«. Sie
hatte überra
schend viele lichte Momente. Manchmal allerdings war
sie vollko
mmen irr
sinnnig. Bei
spielswei
se: ich fragte
sie nach
ihrem Alter. Etwas un
sicher antwortete
sie: 23. – Ich erinnerte mich
|dass sie in
Wien 26 war – und
sagte ihrs. Sie darauf vollko
mmen ern
st, »Ich wei
ss nicht
so genau, – ich bin aber
so
70,
72,
74 geboren,
so um die Jahreszeit –«
Ich: !!!!!
Sie; wieder ganz ern
st. Ja, wir
Schwestern sind alle
ungefähr in den Jahren geboren. –
(Nicht stylisirt, bitte, absolut wörtlich, ich habs mir gleich extra für Sie in
gemerkt)
– Nachdem ich in
München incognito meine
3 Einakter (gar nicht übel) im
Residtheater und das
»
Vermächtnis« noch incogniter auf der
2 Gallerie
↓Schauspielhaus↓ (
sah wenig u hörte nahezu nichts) geno
ssen (ich möchte das
Vermächtnis durchaus noch einmal
schreiben, – es könnte
ein
so
schönes Stück
sein u. ist
so
scheußlich
|(abge
sehen von
etc. etc.) – fuhren wir nach
Nürnberg;
sie von dort nach
Berlin (um zu
ihre
n Blumenthal Kadelburg Proben einzutreffen) ich,
schon in
der Nähe (auf der Rei
se i
st alles nah) nach
Frankfurt, wo ich ein paar Tage mit
Paul
Goldm. verbrachte. Ich fand ihn im ganzen be
sser ge
sti
mmt als je (
chercher la femme – d’un autre); er rei
st nach
Florenz, ich, um einige Zeit ganz allein, in Ruh, zu arbeiten, hieher. Hier,
im
Park-hotel, angenehmes Zi
mmer, vortreffliches E
ssen, bin ich nun daran, den
Schleier der Beatrice wieder einmal, und wieder nur »vorläufig« abzu
schließen. Ich denk’ es
so weit
zu bringen, da
ss ichs dem
Brahm in Berlin vorlesen kann. In der Anlage scheint’s mir
|nicht ohne Kühnheit; aber in den
wichtigen Momenten ver
sagt – doch ich will Ihrem Urtheil, wenig
stens dem tadelnden
nicht vorgreifen. – Wie ich
son
st die Zeit verbringe? Das Wetter war
schlecht; heut
er
st ko
nnt ich ein bi
schen radeln. In den er
sten Morgen-
und in manchen Abend
stunden ko
mmt eine drückende
Traurigkeit über mich; und an gewi
sse Örtlichkeiten, Straßen, Plätze in
Wien denk’ ich mit Ang
st; ja wie an etwas
ge
spen
sti
sches. Gele
sen hab ich die
Madame Bovary; jetzt
Orme du Mail von
France, frei,
sehr frei, aber ein wenig langweilig. – Im Theater:
gestern
bei
, neulich, neulich bei
. Sehr
schön, das
Hoftheater.
|Neb
stbei brauch ich eine Art Cur;
trinke »
Kochbrunnen«, was beka
nntlich alle Leiden be
seitigt. (Warum man nur an alle
Curplätze i
mmer wieder kommt?) – Ich habe die Ab
sicht
Dinstg von hier nach
Berlin zu
rei
sen, bleibe dort (vielleicht) 8 Tage,
so d
ss ich um den
10. October
herum nach
Wien komme. Ent
schuldigen Sie: ich
freu’ mich beinah nur auf Sie. –
Polna regt mich
×××××↓selbst in↓ die
ser Entfernung auf
; man
spürt in
Deutschland doch immer, d
ss Oe
sterreich das vertrottel
ste Land der Welt ist.
Die letzte
Nummer vom kleinen
Kraus hab ich ge
sehen; ich
sag Ihnen, der Kerl
i
st und bleibt, we
nn er auch viele gute Einfälle u in
manchem Recht hat, nun niederträchtiger, nein, ein
|modriger Kerl. – Dann die
se
Versammlg im
Musikvereinssaal! So etwas i
st möglich!!– Man merkt, ich bin lange von
Wien fort. – Was
sagen Sie (nun kommt das
wichtig
ste) zu dem »
Ver
schwinden
« meiner
3 Einakter. – Ich habe
Schlenther ge
schrieben
, ob jenes An
sinnen wiederholt wurde? – Sehen Sie un
sre Bekannten?
Ich hör gar nichts von ihnen, von
Wassermann,
Salten; etc. –
Hugo ist nach
Venedig,
Richard nach einem unbegreiflichen
St. Michael in Eppan gerei
st. –
Wenn Sie einmal eine überflü
ssige Viertel
stunde haben (»Gott, hab ich denn
andre?!«),
so
schaun Sie vielleicht zu meiner
Mama hinauf.
|Sie würde
sich
sehr freuen. – Und nun leben Sie wohl. Ein paar Worte ins
Hotel Savoy, Berlin, wären mir, wie Sie
sich denken können, mehr als willkommen.
Von Herzen Ihr
Arthur
»
Wiener Café« - al
so lauter Juden und neben
mir wird »
geklabbert
«. Der kleine
Kraus und
Gregorig stürben an Ekel. Was ich
sehr erfreulich fände. –