|Sehr geehrter Herr Doktor!
Empfangen Sie meinen verbindlich
sten Dank für Ihre freundliche Ein
sendung
sowie für
deren angenehme Form, die mir die Mühe des Kopierens er
spart. Ich erlaube mir, von
den 5
Gedichten 3 zu behalten: Das
namenlose, »
Anfang vom
Ende« und »
Ohnmacht«. Bezüglich des
letztgenannten bin ich zwar
ganz Ihrer An
sicht, daß »
Morgenandacht«
be
sser
sei; dennoch ziehe ich vor,
jenes zu behalten, 1.) weil
↓»M.«↓es sehr lange i
st und ich alle Ur
sache habe, Raum
zu
sparen,
sind doch
schon an 100 Dichter mit gegen 400 Gedichten in dem
Buche, darunter leider sehr
lange, die ich nicht umgehen konnte wie
»
Heideschenke«,
»Blumen Rache«
.
|2)
i
st die erotische Situation deutlicher als
Cotta lieb sein könnte,
so daß ich früchten müße, das
Gedichte würde mir ge
strichen
werden.
Mehr als 3 Gedichte konnte ich nicht leicht nehmen, da ich von Autoren, die noch kein
lyrisches
Buch veröffentlich haben, in der Regel nur
ein, zwei Gedichte
d genommen habe, bei Ihnen, Herr
Doktor, als einer litterarisch besonders intere
ssanten Persönlichkeit, ohnehin eine
Ausnahme mache, auch in
sofern, als Ihre
Gedichte in der ganzen
Sammlung die
einzigen
sein werden, die nicht schon vorher gedruckt er
schienen
sind.
Mir per
sönlich gefällt »
Anfang v Ende« weitaus am besten, an und für
sich
schon und weil es in seiner »
Anatol-Sti
mmung« für Ihre Eigenart das
charakteri
sti
sche
ste i
st.
Wollen Sie das
namenlose
Gedicht nicht taufen? Die erste Zeile als Überschrift
scheint mir nicht
recht geeignet; vielleicht: »
Stilles Einverständniss« oder
»Die Ahnungslosen« oder „
Wenn Sie wüssten...!«
Die 2
nicht verwendeten
Gedichte send ich anbei zurück. Die andern würde ich in dem
Falle, als
ich meine
Anthologie wider Erwarten
Cottas Sanktion nicht erhalten sollte, natürlich auch zurück
senden, hoffe aber, daß es
nicht hiezu ko
mmen wird.
Nochmals für Ihr freundliches Entgegenkommen bestens dankend zeichne ich, Herr
Doktor, mit vorzüglicher
Hochachtung Theodor vSosnosky
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