Ihr eben eingetroffener frdl. Brief veranlaßt mich, ihn gleich zu beantworten, weil
ich ihm zu entnehmen glaube, daß meine Äußerung im Dankschreiben nicht ganz richtig
verstanden worden ist. Ich beeile mich daher, Ihnen hier über das, was ich dort nur
flüchtig angedeutet, ausführlichere Aufklärung zu geben:
Selbstverständlich fällt es mir gar nicht ein, einem Autor des Recht, sein Themen
zu
wählen,
streitig machen zu wollen; um
so weniger, al
s ich der An
sicht bin, in der
Kun
st müße
|Alles w erlaubt
sein,
wenn es nur künstleri
sch darge
stellt
sei; (eine Ausnahme mache ich blos für die
Bühne, auf der ich
↓sozial↓ aufreizende Stücke zu geben für
äußerst thöricht halte, Stücke wie die
Weber
z.B. werden nur als Aufreizung
vom zum Klaßenhaß
empfunden und ausge
schrotet).
Anderseits hielt ich es aber für geboten, in meinem Briefe anzudeuten, daß ich
per
sönlich die
ser
Arbeit |vis à vis sozusagen oppo
sitionell empfinde, weil ich darin eine – Ihnen
vielleicht unbewußte & von Ihnen ungewollte Gehäßigkeit
gegen die Offiziere erblicke und dieser meiner per
sönlichen Empfindung in einer
eventuellen Be
sprechung des
Buches auch Ausdruck geben würde. Diese Bedenken
scheinen mir die
kün
stlerischen Vorzüge des
Buches doch nicht zu tangiren?!
Aus zwei Bemerkungen glaube ich die Gehäßigkeit – wie gesagt: die unbewußte –
deutlich herauszule
sen; ich werde die
se gegebenen Falles in der Be
sprechung erwähnen.
Bevor ich die
se
schreibe, will ich das
Buch noch Andern zu le
sen geben, deren Urteil mir wert i
st.
Ein
solches – vor meinem gefälltes – sti
mmt mit meinem
ganz überein. Meine Empfindung
scheint demnach keineswegs vereinzelt zu
stehen. Die
dem »
Echo« entno
mmene Nachricht
, daß Ihnen die
se
Novelle auch Unannehmlichkeiten in Ihrer militäri
schen Stellung
durch als Landwehr-Arzt
|zugezogen hat,
i
st abermals ein Argument, das für mich
spricht. Ich will damit aber nicht etwa
behaupten, daß ich das Vorgehen der milit. Behörden
gutheiße; aber
begreifen kann ich’s. Gewiß
liegen in Ihrer
Arbeit keine
that
sächlichen
gravamina, aber –
»
c’est le ton qui fait la musique« und daß die
ser Ton gegenüber dem Militär kein freundlicher i
st,
haben eben auch die Behörden empfunden & daraus ihre
Kon
sequenzen gezogen, die wieder einmal eklatant bewei
sen, daß die In
stitution der
Re
serveoffiziere, wie
sie bei uns be
steht, unzulänglich i
st & zu den schwer
sten Kolli
sionen führen kann, weil
die
↓sozialen↓ An
schauungen des Privatmannes denen des
Offiziers oft
stracks zuwiderlaufen; ein Fall, der in
Deutschland unmöglich ist, weil dort
nur der
Re
serve-Offizier wird, von dem man po
sitiv weiß, daß er keinerlei Ge
si
nnung hegt, die mit der eines Offiziers kollidirt. –
Verzeihen Sie gütig
st, daß ich die
se Dinge erwähne, aber da
|Ihrer
Novelle nun einmal auch außer der
litterarisch-kün
stlerischen eine
↓andere↓ Bedeut
tung zugemeßen worden
ist und dies in die Öffentlichkeit gedrungen
↓ist↓,
so konnte ich nicht umhin, bei der durch Ihren Brief veranlaßten
Erörterung
die auch die
se Sache zu beleuchten.
Was
speziell Ihren Einwand betrifft,
falls↓wenn↓ in die
sem Falle Gehä
ssigkeit gegen die Offiziere vorläge,
so
sei↓wäre↓ dann
↓auch↓ solche gegen Liberale, Ärzte,
Weinhändler, Theater-Direktoren im »
Vermächtnis«, »
Freiwild« & »
Garlan«
zu finden,
so erlaube ich mir darauf zu erwidern, daß mir die
ser Einwand nicht
ganz
stichhaltig er
scheint, weil die
se Leute von untergeordneter Bedeutung
sind und
ihr Beruf als
solcher
Nebensache i
st; hier aber
steht
gerade die
ser im Vordergrunde; überdies läßt gerade »
Freiwild« wohl keinen Zweifel an Ihrer Ge
sinnung zu, trotzdem, wie Herr
Schwarzkopf gelegentlich eines Gespräches zu
Ihrer Verteidigung richtig
|bemerkte,
↓darin↓ nicht der Doktor,
sondern der Offizier zum Helden
wird. – Daß es Ihnen ganz ferne gelegen, in »
Gustel« den Offiziers
stand
anzugreifen, will
ich gerne annehmen, ja, ich bin fest überzeugt, daß dies nicht der Fall gewe
sen i
st;
Sie haben eben
ohne jede polemische Neben-Ab
sicht
Ihre Ge
sinnung durchklingen lassen.
Voilà tout!
Selbstver
ständlich hatten Sie das gute Recht dazu; und nicht nur hiezu,
sondern auch
zu einer Satire auf das Militär hätten Sie’s gehabt; ich wäre der letzte, dies
bestreiten zu wollen,
könnte es nicht einmal, da
ich
selber Satiren im entgegenge
setzten Sinne ge
schrieben habe. Ander
seits haben aber
alle, die Anders denken, und mit die
sen ich, das Recht, Ihrer Oppo
sition Ausdruck zu
geben. Es handelt
sich nur darum, ob dis
so ge
schieht, daß
I die kün
stleri
sche Seite der Sache
|hievon unberührt bleibe & objektiv beurteilt werde. Daß dies bei der Neigung
aller Leute zu
subjektiver Beurteilung nur selten ge
schehen dürfte, daß Sie von
Anhängern meiner Ge
sinnung eben
so heftig angegriffen als von
solchen Ihrer Gesinnung
geprie
sen werden dürften, liegt eben in der Natur der Sache. Ich
hoffe darin eine Ausnahme zu machen, und da ich in Ermangelung
fester Beziehungen zu irgend einem Blatte nicht
sicher
wi
ssen kann, ob ich auch Gelegenheit haben werde, dies schwarz auf weiß gedruckt zu
bethätigen,
so
sag’ ich’s eben hier, auf die Gefahr hin, daß es Ihnen –
sehr
gegen meinen Wun
sch –
härter↓hart↓ klingt, da Sie ja in Ihrer Umgebung, unter Ihren Freunden
sicherlich nur
Zu
sti
mmung finden werden, al
so nicht
gewohnt
sind,
sozusagen direkt
Ge (dh. nicht durch
Zeitungen
etc) Gegenteiliges zu hören.