|Wien, 26. 5. 1901.
Verehrtester Herr von Sosnosky, ich danke Ihnen herzlich für die
freundlichen Mittheilungen und hoffe bald lesen zu dürfen, was Sie über die »Garlan« gesagt haben. Ich schließe gewiss nicht unrichtig, dss es das Neue Wiener Tagblatt war, welches Ihre Kritik als zu freundlich
refüsirt hat. Ihren Bemerkungen zum Lieutn Gustl
müssen Sie mir gestatten zwei Worte zu erwidern. Ich finde, dass man mir mit
demselben Recht als man mir Feind|seligkeit gegen den Offiziersstand vorwirft, weil
ich den Gustl geschrieben – Gehässigkeit gegen
die Aerzte vorwerfen könnte, weil ich den Ferdinand Schmidt im Vermächtnis, Gehässigkeit gegen den Liberalismus, weil ich den Losatti (im gleichen Stück), Gehässigkeit gegen
Theaterdirektoren (Schneider
in Freiwild) gegen Weinhändler (Schwager Garlan) u. s. w. vorwerfen konnte. In jedem Stand
gibt es |eine große Anzahl minderwerthiger Individuen und ich erkenne keinem Stande
das Recht zu, sich diese Constatirung zu verbieten. Und dabei möchte ich für meinen
Fall noch erwähnen, dss mein »Gustl« ein ganz
netter, nur durch Standesvorurtheile verwirrter Bursch ist, der mit den Jahren gewiss
ein tüchtiger und anständiger Offizier werden dürfte. Aber – hievon abgesehen, müßte
ich mir als Dichter jedenfalls das Recht |vindiciren, einen Offizier selbst zu erfinden, der gewohnheitsmäßig seine Großcousinen umbringt; wenn
ich einen solchen Offizier für meine Novelle brauchte.– Ihnen, mein verehrter Herr
von Sosnosky, dem ich schon für soviele wahre Liebenswürdigkeit und für soviel
Verständnis zu danken habe, darf ich heute auch diese meine Stellung zu der von Ihnen
angedeuteten Frage andeuten, ohne die Befürchtg misverstanden zu werden.
Mit den verbindlichsten Grüßen
Ihr sehr ergebner Arthur Schnitzler.
Ihr sehr ergebner Arthur Schnitzler.