Verehrtester Herr von Sosnosky, ich danke Ihnen herzlich für die
freundlichen Mittheilungen und hoffe
bald lesen zu dürfen
, was Sie über die »
Garlan« gesagt haben. Ich schließe gewiss nicht unrichtig, d
ss es das
Neue Wiener Tagblatt war, welches Ihre Kritik als zu freundlich
refusirt hat. Ihren Bemerkungen zum
Lieutn Gustl
müssen Sie mir gestatten zwei Worte zu erwidern. Ich finde, dass man mir mit
demselben Recht als man mir Feindeseligkeit gegen den Offiziersstand vorwirft, weil
ich den
Gustl geschrieben – Gehässigkeit gegen
die Aerzte vorwerfen könnte, weil ich den
Ferdinand Schmidt im
Vermächtnis, Gehässigkeit gegen den Liberalismus, weil ich den
Losatti (im gleichen
Stück), Gehässigkeit gegen
Theaterdirektoren (
Schneider
in
Freiwild) gegen Weinhändler (Schwager
Garlan) u. s. w. vorwerfen könnte. In jedem Stand
gibt es eine große Anzahl minderwerthiger Individuen und ich erkenne keinem Stande
das Recht zu, sich diese Constatirung zu verbieten. Und dabei möchte ich für meinen
Fall noch erwähnen, d s mein »
Gustl« ein ganz
netter, nur durch Standesvorurtheile verwirrter Bursch ist, der mit den Jahren gewiss
ein tüchtiger und anständiger Offizier werden dürfte. Aber – hievon abgesehen, müßte
ich mir als Dichter jedenfalls das Recht
vindiciren
, einen
Dichter↓Offizier↓ selbst zu erfinden, der gewohnheitsmäßig seine Großcousinen umbringt; wenn
ich einen solchen Offizier für meine Novelle brauchte.– Ihnen, mein verehrter Herr
von Sosnosky, dem ich schon für soviele wahre Liebenswürdigkeit und für soviel
Verständnis zu danken habe, darf ich heute auch diese meine Stellung zu der von Ihnen
angedeuteten Frage andeuten, ohne die Befürchtg misverstanden zu werden.