9./10 901

Sehr geehrter Herr Doktor!

Anbei erlaube ich mir, Ihnen eine Besprechung des vielgenannten »Lt. Gustel« zu übersenden, den Sie so freundlich waren, mir zuzusenden.
Sie werden damit zwar nicht zufrieden sein und mich – dessen bin ich gewiss – für einen beschränkten »Reactionär« halten, aber ich glaube anderseits, dass Sie von jemand, der militär-freundlich gesinnt ist, kaum |je eine so rückhaltlose Anerkennung der künstlerischen Vorzüge des Buches erfahren dürften wie von mir. –
Dass ich gegen das, was der Publication dieses Werkes folgte, scharf Stellung nehme, ist eine andere Sache.
Da ich weder im liberalen Zeitungslager, noch im gegnerischen eine Aufnahme meines Artikels erwarten dürfte, habe ich ihn einem mir sonst ganz fremden Organ gesandt, das nicht zur Clique gehört.
Ich habe acht Tage an diesem Artikel gearbeitet, und immer |wieder zugesetzt & gestrichen, so sehr hat mich der Fall interessirt; und da ist es nicht unbegreiflich, dass ich ihn nicht für meine Lade sondern für wenigstens einige Leser geschrieben haben wollte. Darum, und nicht etwa aus materiellen Gründen, habe ich ihn publicirt, denn ich habe, im Voraus auf jedes Honorar verzichtet.
Darauf gefasst, mir es mit Ihnen, Herr Doktor, für immer verdorben zu haben, schliesse ich mit der Versicherung, dass das Urteil mir für meine Beziehungen zu Ihnen ganz un|massgeblich ist und dass ich in derselben Wertschätzung wie bisher
Hochachtungsvoll zeichne Th vSosnosky
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