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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 10. 10. 1901
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [11. 10. 1901 – 15. 10. 1901?]
Sosnosky, Theodor von
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 126
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.632 Zeichen
Handschrift , deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Zusatz Markierungen einer Versteigerung: »5469«, »20–« und »K63a«
Veröffentlichung 1
Theodor v. Sosnosky: Unveröffentlichte Schnitzler-Briefe über die »Leutnant-Gustl«-Affäre. Eine Sensation vor dreißig Jahren. In: Neues Wiener Journal, Jg. 39, Nr. 13.624, 26. 10. 1931, S. 4.
Veröffentlichung 2
Arthur Schnitzler: Lieutenant Gustl. Herausgegeben und kommentiert von Ursula Renner unter Mitarbeit von Heinrich Bosse. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007, S. 54 (Suhrkamp Basis Bibliothek, 33).
Veröffentlichung 3
Ursula Renner: Dokumentation eines Skandals Arthur Schnitzlers »Lieutenant Gustl«. In: Hofmannsthal-Jahrbuch, Jg. 15 (2007), S. 210–211.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Theodor von Sosnosky, 10. 10. 1901. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04235.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04235«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 10. 10. 1901

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kalliope Verbundkatalog
Weiteres

Arthur Schnitzler an Theodor von Sosnosky, 10. 10. 1901

|Sehr geehrter Herr von Sosnosky,

ich danke Ihnen verbindlichst für die Übersendung Ihres Artikels über den Lieutenant Gustl. Das literarische Leben wäre wahrlich eine angenehme und reinliche Sache, wenn man nur mit so vornehmen Gegnern zu thun hätte wie Sie einer sind. Über die Novelle selbst wollen wir nicht mehr reden; hier ist eine Verständigung unmöglich – denn Sie sind |Sie und ich bin ich. Hingegen muss ich, was Sie vielleicht überraschen wird, den Ehrenrath, der mich schuldig gesprochen, in Schutz nehmen. In dem Urtheil heißt es klar und deutlich, dass ich die Standesehre verletzt, indem ich durch meine Novelle das Ansehn und die Ehre der oesterreichisch-ungarischen Armee geschädigt und herabgesetzt habe. Hätten die Herren gefunden, dass ich die Standesehre |dadurch verletzt habe, dass ich nicht persönlich vor ihnen erschienen bin, so hätten sie das selbstverständlich erwähnt, und es geht kaum an, ihnen zuzumuthen, dassie durch mein persönliches Erscheinen bestimmt worden wären, ein andres Urtheil zu fällen als sie nach dem Studium meiner Novelle zu fällen für richtig hielten, da ja diese Novelle nun einmal geschrieben und veröffent|licht – und damit die von der Anklage angenommene Verletzung der Standesehre begangen war. Dass ich mich entschuldigen würde, meine Novelle geschrieben zu haben, dürfte wohl von keiner Seite voraus gesetzt werden, und hätte ich mich dazu verstanden, so wäre meinem Empfinden nach darin – die einzige wirkliche Verletzung derjenigen Standesehre gelegen, die ich überhaupt anerkenne: das zu sagen und zu thun, was man |für richtig hält. – Was die zweite Anschuldigung anbelangt, ich hätte gegen die persönlichen Angriffe der Reichswehr keine Schritte unternommen, so theile ich Ihnen mit, dass ich von diesem Theil der Anklage erst – aus dem Wortlaut des Urtheils Kenntnis erhielt. Was darüber zu sagen ist – mögen Sie in Ihrem eignen Artikel nachlesen. Ich brauche Sie wohl nicht zu versichern, dass die Kränkung, die mir durch die Enuncia|tionen der feindlichen Presse verursacht worden sind, etwa eben so tief gehen – wie die Freude, die mir ein Theil der zustimmenden Preßkundgebungen bereitet hat. Ich weiss in Hinsicht auf die Einen wie die andern, was ich von ihrer Sachlichkeit wie Unpartheilichkeit zu halten habe. – Ihre Befürchtung, dass es jetzt am Ende Leute geben könnte, die mir meinen Gruss nicht erwidern, |ist unbegründet; ich weiss ganz gut, welchen Leuten ich die Ehre erweisen darf, sie zuerst zu grüßen. –
Nehmen Sie, verehrtester Herr von Sosnosky, nochmals meinen Dank und die Versicherung meiner aufrichten Hochachtung entgegen
Ihr ergebener
Arthur Schnitzler
Wien, 10. 10. 901.