Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 14. 10. 1901
Sosnosky, Theodor von
Alland
Empfang: [15. 10. 1901 – 19. 10. 1901?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.4640
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 6 Seiten, 4.292 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Theodor von Sosnosky an Arthur Schnitzler, 14. 10. 1901. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04321.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04321«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04321.html |titel=Theodor von Sosnosky an Arthur Schnitzler, 14. 10. 1901 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1901-10-14 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 14. 10. 1901

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Theodor von Sosnosky an Arthur Schnitzler, 14. 10. 1901

|Alland, 14./10 1901

Sehr geehrter Herr Doktor!

Von einem kurzen Wiener Aufenthalte zurückgekehrt, fand ich Ihren freundlichen Brief, für den ich Ihnen verbindlichst danke und der mich sehr freut, weil ich daraus zu ersehen glaube, daß Sie meinen Brief  so aufgenommen haben, wie ich ihn gemeint habe.
Daß der Ehrenrat die Novelle d. h. das in dieser vorhanden sein sollende Vergehen gegen die Standesehre zum Substrat der Anklage, resp. des Urteils gemacht, war sicher ein krasser faux pas; zum mindesten hätte er dann die Stellen zitiren müssen, aus denen diese Verletzung deutlich hervorgeht. Daß er dies nicht gethan hat, zeigt |daß er seiner Aufgabe, ein klares Urteil zu fällen, nicht gewachsen war. Er hat sich dabei nur von Gefühlen leiten lassen, und die dürfen natürlich nicht genügen, über jemanden den Stab zu brechen. Daß diese Gefühle aber die richtigen waren, geht aus den von mir zitirten Stellen wohl deutlich hervor. So schreibt nur ein Feind des Militärs! Aber ich will sehr gerne zugeben, daß diese Stellen, selbst wenn sie vom Ehrenrat als Gravamina angeführt worden wären, ein doch etwas zu dürftiges Substrat für eine Aberkennung der Charge gebildet hätten.
Ich glaube übrigens, die ganze Sache hätte ein anderes Ende genommen und Sie hätten sich viel Unannehmlichkeiten erspart, wenn Sie der Aufforderung des Ehrenrats sich zu rechtfertigen Folge |geleistet hätten, wozu Sie ja als Reserve-Officier verpflichtet waren. Zwischen Rechtfertigung und Entschuldigung ist ein großer Unterschied! Hätten Sie vor dem Ehrenrat erklärt, daß Ihnen die Ihnen imputirte Absicht ferne gelegen sei, daß Sie den Officiersstand nicht verhöhnen wollten, so wäre das keine Entschuldigung, sondern eine Rechtfertigung gewesen (sofern das wirklich nicht Ihre Absicht gewesen sein sollte), und ich glaube nicht, daß das Urteil dann so ausgefallen wäre, wie es thatsächlich ausgefallen ist.
Von einer Selbsterniedrigung, einem Sich-Etwas-Vergeben konnte doch keine Rede sein; sonst dürfte sich ja niemand, dem ein schwerer Vorwurf gemacht wird verteidigen und er müßte auch dann schweigen, wenn das Civil|gericht, ihn zur Verantwortung zieht.
Gegen gemeine Angriffe zu schweigen, das issicher die beste und würdigste Art der Abwehr; sobald aber nicht private Feinde uns anklagen oder beschuldigen, sondern irgend eine Behörde, der gegenüber wir die Verpflichtung haben, ihr Decorum zu wahren, und die daher das Recht hat, dies von uns zu verlangen, sei es nun die Ärztekammer oder das betreffende Offizierscorps, so hieße das von Ihnen befolgte Prinzip nichts anderes als fatalistische Selbstvernichtung. Die Logik ist ja sehr einfach; jede Behörde, ja jeder Einzelne muß so schließen: er hat Gelegenheit, sich zu verteidigen, zu rechtfertigen; er thut es aber nicht, also muß er schuldig sein! Ein Mittelding gibts da nicht! Aus Ihrem Briefe geht ja auch ganz |deutlich hervor, daß Ihnen eine feindliche Absicht nicht ferne gelegen ist; denn Sie erklären, daß Sie – was Ihre Überzeugungstreue gewiß sehr ehrt – unter allen Umständen die Wahrheit sagen wollen. D. h. Sie hatten die Frage des Ehrenrates, ob Sie die Ihnen imputirte Absicht hatten, nicht verneinen können, ohne die Unwahrheit zu sagen.
Ja, dann aber ist das Urtheil nur gerecht, und Sie selber haben es dazu gemacht!
Es fiele mir sebstverständlich nicht im Traume ein, Ihnen hier so unverhohlen meine Ansicht zu sagen, die Sie ja nicht erbeten haben und daher als aufdringliche Anmaßung zurückweisen können; aber da ich nun einmal öffentlich das Wort in dieser Sache |ergriffen habe, so möchte ich auch privat nicht mißverstanden sein, und ich glaube, daß mein Artikel – vielleicht durch unklare Stilisirung meinerseits, von Ihrer Seite anders gedeutet worden ist als er gemeint war. Daher diese Replik, für die ich sonst keine Ursache hätte und somit auch keine Entschuldigung verdiente, da sie ohne Vorausgehen meines Artikels eine plumpe, freche Taktlosigkeit wäre. Die aber liegt mir unendlich fern! Und eben diese Erwiderung scheint mir ein vielleicht sonderbarer, aber sicherer Beweis, daß mir an Ihrer Meinung etwas gelegen ist und daß ich Ihrer Persönlichkeit ein besonderes Intereße entgegenbringe. Indem ich hoffe, daß unsere nächste Correspondenz wieder friedlicher und unverfänglicher werde, verbleibe ich, sehr geehrter Herr Doktor, mit
vorzüglicher Hochachtung ThvSosnosky
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar