|3. V. 97
Lieber Arthur! Wenn Sie vielleicht noch etwas Neid brauchen, um es deutlicher zu empfinden, daß es in Paris augenblicklich angenehmer sein muß als in Wienso bin ich gerne bereit Sie zu beneiden. Gar zu schwer wird mir das nicht werden und an Zeit fehlt es mir auch nicht. Von mir kann ich Ihnen gar nichts mitteilen. Zacconi ist wirklich das einzig Bemerkenswerte, was ich seit Ihrer Abreise erlebt habe. Hier ist alles unverändert, nur ein wenig öder und abgespielter, wie immer am Schluß der Saison. Man führt noch immer die selben Gespräche, man rechnet nich immer den andern Leuten die Tantièmen nach, man spielt noch immer bei PucherPoker und DrEbermann|erkundigt sich noch immer, ob man nicht bald nach Hause gehen wird. Weiss ist Radfahrer geworden und beteiligt sich selbstverständlich sehr lebhaft an den interessanten Debatten über Räder, Geschwindigkeit, Aufsteigen, Abspringen u.s.w. Und ich kann nicht mitreden! Meine Isolirtheit gelangt mir immer mehr zum Bewußtsein.
Nun werden Sie hoffentlich nicht mehr bezweifeln, daß ich edel bin. Sie schreiben mir 9 Zeilen und meine Antwort wird die schwindelnde Höhe von 27 Zeilen erreichen. Es bleibt mir auch nur noch eine Zeile für einen Gruß an DrGoldmann und für die Versicherung, daß es mich sehr freuen wird Sie wieder in die Frankgasse begleiten zu können.
Herzlichst Ihr
Gustav Schwarzk
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