|31. VII 96

Lieber Freund!

Ich soll heute Abend abreisen. Mit Chiavacci. Ziel: Garda-See, dann eventuell Stilfserjoch oder Mendelpaß. Aber ich möchte noch nicht darauf schwören, daß ich diesen großen Plan auch wirklich durchführen werde. Nach Kopenhagen wäre ich sehr gerne gekommen – das dürfen Sie glauben – aber für diese Strecke gibt es für mich keinen Carlweiss. – Die Bevölkerungszahl hat indessen einigen Zuwachs erhalten, zwei Buben, einen Ludwig Chiavacci und einen Franz Hirschfeld, beide mit ziemlicher |Verspätung eingelangt. – Was ist’s mit Lichtenberg? Sollte ich unbewußt die Höhe der? Sollte ich unbewußt die Höhe der »Moderne« erklommen und ein Plagiat begangen haben? Ich werde ja sehen, wenn Sie mir freundlichst die Stelle zeigen werden, denn das Buch auch noch kaufen, um mich davon zu überzeugen – nein. – Ist Richard B. H. bei Ihnen? Grüßen Sie ihn herzlich von mir, ebenso Dr Goldmann. – Ihr Recitator, Marcell Salzer, hat wieder für ihren Ruhm gesorgt, hat zweimal etwas von Ihnen gelesen (Denksteine) einmal bei Pertl im Prater, einmal in Baden. Ihre Genossen waren H. Sonnenthal, Anton Lindner u. – Chiavacci – auch als Junger angekündigt.–
Ein neuer großer Dichter ist in den letzten 14 Tagen nicht entdeckt worden. Die Zeit schläft den Sommerschlaf.
Herzlichst Ihr
Gustav Schwk.
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