|3. 10. 99
Lieber Arthur, ich war wieder zehn Tage in der Brühl, habe sogar von dort einen Ausflug nach Baden und Vöslau gemacht – nur um den Sommer durch eine
interessante Erinnerung zu markiren – und bin erst heute
nach Wien zurückgekommen. Habe hier Ihren lieben Brief vorgefunden und gleichzeitig ihre Karten aus Frankfurt, und Wiesbaden. Die letztere |hat
erst den Umweg über Bukarest gemacht, wie aus dem
Poststempel ersichtlich, ehe sie den Weg nach Wien
fand.
– Das Verschwinden Ihrer Stücke
habe ich natürlich bemerkt; ich muß Ihnen aufrichtig sagen, es hat mich nicht
überrascht. Er hat Ihnen
natürlich mit irgend einer Ausrede geantwortet und die Versicherung gegeben, daß man
auf ihn rechnen könne, daß er unentwegt
u. s. w.
Die Bekannten, die Sie erwähnen, Salten, Wassermann, u.s.w habe ich seit Monaten nicht gesehen,
auch seit langer |Zeit kein Kaffehaus
besucht, keine Berliner Zeitung gelesen, ich
wußte schon gar nicht mehr was vorgeht. Heute habe ich zum erstenmal wieder Grabenluft geatmet und mit einigen Stammgästen gesprochen.
Ich wünsche es gewiß, daß Sie um den 10.
herum nach Wien kommen, aber ich glaube noch nicht recht daran. Man wird versuchen Sie länger in Berlin festzuhalten und da unter »man« die
verschiedensten weiblichen Wesen zu verstehen sind, so werde ich wol leider Recht behalten.
|Über Dreyfus, und Polna, über den kleinen Kraus, die Fackel und die immer
mehr zunehmende Wiener Vertrottelung sowie über
die vielen anderen Dinge, die Anlaß zu Ärger und Ekel geben, sprechen wir, wenn Sie einmal da sind.
Bis dahin
herzlichst
Ihr
Gustav
herzlichst
Ihr
Gustav
Den Damen Glümer meine
Empfehlungen.
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