Lieber Arthur, ich war wieder zehn Tage in der
Brühl, habe
sogar von dort einen Ausflug nach
Baden und
Vöslau gemacht – nur um den So
mmer durch eine
intere
ssante Eri
nnerung zu markiren – und bin er
st heute
nach
Wien zurückgeko
mmen. Habe hier Ihren lieben
Brief
vorgefunden und gleichzeitig ihre
Karten
aus
Frankfurt, und
Wiesbaden. Die letztere
|hat
er
st den Umweg über
Bukarest gemacht, wie aus dem
Po
ststempel er
sichtlich, ehe
sie den Weg nach
Wien
fand.
– Das Ver
schwinden Ihrer
Stücke
habe ich natürlich bemerkt; ich muß Ihnen aufrichtig
sagen, es hat mich nicht
überra
scht.
Er hat Ihnen
natürlich mit irgend einer Ausrede geantwortet und die Ver
sicherung gegeben, daß man
auf ihn rechnen kö
nne, daß er unentwegt
u.
s. w.
Die Beka
nnten, die Sie erwähnen,
Salten,
Wassermann, u.
s.w habe ich
seit Monaten nicht ge
sehen,
auch
seit langer
|Zeit kein Kaffehaus
be
sucht, keine
Berliner Zeitung gele
sen, ich
wußte
schon gar nicht mehr was vorgeht. Heute habe ich zum er
stenmal wieder
Grabenluft geatmet und mit einigen Sta
mmgä
sten ge
sprochen.
Ich
wünsche es gewiß, daß Sie um den
10.
herum nach
Wien ko
mmen, aber ich glaube noch nicht recht daran. Man wird ver
suchen Sie länger in
Berlin fe
stzuhalten und da unter »man« die
ver
schieden
sten weiblichen
Wesen zu ver
stehen
sind,
so werde ich wol leider Recht behalten.
|Über
Dreyfus, und
Polna, über den kleinen
Kraus, die
Fackel und die i
mmer
mehr zunehmende
Wiener Vertrottelung
sowie über
die vielen anderen Dinge, die
Anlaß zu Ärger und Ekel geben,
sprechen wir, we
nn Sie einmal da
sind.
Bis dahin
herzlichst
Ihr
Gustav
Den
Damen Glümer meine
Empfehlungen.