Lieber Arthur,
seit 3 Tagen bin ich in der
Brühl – auf allgemeines Verlangen – natürlich regnet es
seit
diesen drei Tagen und hat 9°, weil
ich »köstliche
Landluft athmen« und mich an »den
sonnigen Reizen der Natur erfreuen will«. Ihr Brief
wurde mir er
st heute nachge
schickt, meine Antwort trifft hoffentlich noch zu rechter
Zeit ein. – Ich glaube, Sie wollen und
werden die
kleine Rei
se unternehmen. Warum auch nicht?
|In
Berlin aber dürfte die Situation zitternd werden, we
nn auch vielleicht nicht i
mmer ganz gemütlich. Unter die
sen Um
ständen dürfte es wol Anfang October werden, bis
Sie nach
Wien ko
mmen.
Richard hat mir einen Brief ge
schrieben,
ausgerechnet
einen Tag vor
seiner Abrei
se von
Seeboden. »
Muschelkinder« habe ich nicht ge
sehen, die letzten Nu
mmern der »
Fackel«
nicht gele
sen, und ein Drama habe ich
|auch noch nicht bego
nnen. Allein aus un
serem kleinen
Kreis heraus werden die deut
schen Bühnen für die näch
sten Zeit
so reichlich ver
sorgt
werden, daß
sie mich wirklich nicht brauchen.
Über die un
sagbare Gemeinheit in der Sache
Dreyfus werden wir uns noch gemein
sam mündlich genug ärgern,
schreiben ka
nn man darüber nicht.–
Die »Zer
streuung« wird hoffentlich inten
siv genug
sein, um
|Ihre
unei×××↓Stimmun↓g zu verbe
ssern und Ihnen
↓auch↓ Ihr
Stück be
sser er
scheinen zu la
ssen. Ich bin
schon
neugierig.
Von
Hiller’s, in deren
Wohnung ich
schreibe
und deren Briefpapier ich benütze die be
sten Grüße.