|12. 9. 99
Lieber Arthur, seit 3 Tagen bin ich in der Brühl – auf allgemeines Verlangen – natürlich regnet es seit
diesen drei Tagen und hat 9°, weil ich »köstliche
Landluft athmen« und mich an »den sonnigen Reizen der Natur erfreuen will«. Ihr Brief
wurde mir erst heute nachgeschickt, meine Antwort trifft hoffentlich noch zu rechter
Zeit ein. – Ich glaube, Sie wollen und werden die
kleine Reise unternehmen. Warum auch nicht? |In Berlin aber dürfte die Situation zitternd werden, wenn auch vielleicht nicht immer ganz gemütlich. Unter diesen Umständen dürfte es wol Anfang October werden, bis
Sie nach Wien kommen.
Richard hat mir einen Brief geschrieben,
ausgerechnet einen Tag vor seiner Abreise von Seeboden. »Muschelkinder« habe ich nicht gesehen, die letzten Nummern der »Fackel«
nicht gelesen, und ein Drama habe ich |auch noch nicht begonnen. Allein aus unserem kleinen
Kreis heraus werden die deutschen Bühnen für die nächsten Zeit so reichlich versorgt
werden, daß sie mich wirklich nicht brauchen.
Über die unsagbare Gemeinheit in der Sache Dreyfus werden wir uns noch gemeinsam mündlich genug ärgern, schreiben kann man darüber nicht.–
Die »Zerstreuung« wird hoffentlich intensiv genug sein, um |Ihre Stimmung zu verbessern und Ihnen auch Ihr Stück besser erscheinen zu lassen. Ich bin schon
neugierig.
Herzlichst
Ihr
Gustav
Ihr
Gustav
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