|31. 8. 99.
Lieber Arthur, ich will Ihnen nur anzeigen, daß ich noch lebe und Ihnen für Ihren lieben Brief danken. Ich hatte die redliche Absicht Ihnen auch sechs Seiten zu schreiben, die notwendige Zeit hätte ich schon dazu erübrigt, aber es fehlt mir wirklich an Material. Nichts, das eine Mitteilung forderte, nichts, das auch nur eine Betrachtung verdient. In den letzten vier Wochen habe ich mich nicht einmal mehr geärgert, nicht einmal über die geschmacklose Art die N. P. in der Dreyfus-Sache, |die einem selbst das Mitleid verleiden könnte, nicht einmal über die Göthe-Feier und die verschiedenen Aufsätze. Es scheint, daß auch zum Ärgern Gesellschaft gehört. – Daß ich schon zweimal im Theater war, bei einer sehr schlechten Vorstellung (Meineidbauer und einer nicht guten (Haubenlerche) wird Sie kaum interessiren. Mich hat es auch nicht interessirt. Gestern Abend habe ich in meiner Straße den Dr Schickh getroffen, der jetzt wieder sehr »lieb« tut. Er läßt Sie grüßen. Ich stelle mir vor, daß es vom ersten September an sehr hübsch in Ischl sein wird; da müssen doch schon viele abgereissein.
Viel Vergnügen in Innsbruck.
Herzlichst grüßt
Ihr GustavS
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