Lieber Arthur, ich will Ihnen nur anzeigen, daß ich noch lebe und
Ihnen für Ihren lieben
Brief
danken. Ich hatte die
redliche Ab
sicht Ihnen auch
sechs Seiten zu
schreiben, die notwendige Zeit hätte ich
schon dazu erübrigt, aber es fehlt mir wirklich an Material. Nichts, das eine
Mitteilung forderte, nichts, das auch nur eine Betrachtung verdient. In den letzten
vier Wochen habe ich mich nicht einmal mehr geärgert, nicht einmal über die
ge
schmacklose Art die
N. P. in der
Dreyfus-Sache,
|die einem
selb
st das Mitleid verleiden
kö
nnte, nicht einmal über die
Göthe-Feier
und die
ver
schiedenen Auf
sätze. Es
scheint, daß auch zum Ärgern Ge
sell
schaft gehört. – Daß
ich schon zweimal im Theater war, bei einer
sehr
schlechten
Vorstellung (
Meineidbauer und einer nicht
guten (
Haubenlerche) wird Sie kaum intere
ssiren. Mich hat es auch nicht
intere
ssirt. Ge
stern Abend habe ich in meiner
Straße den D
r Schickh getroffen, der jetzt
wieder
sehr »lieb« tut. Er läßt Sie grüßen. Ich
stelle mir vor, daß es vom
ersten September an
sehr hüb
sch in
Ischl sein wird; da mü
ssen doch
schon viele abgerei
st
sein.