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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 29. 7. 1899
Schwarzkopf, Gustav
Wien
Empfang: [31. 7. 1899 – 3. 8. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Toblach
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 96a
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.068 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Gustav Schwarzkopf an Arthur Schnitzler, 29. 7. 1899. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04297.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04297«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 29. 7. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Gustav Schwarzkopf an Arthur Schnitzler, 29. 7. 1899

|29. 7. 99
Lieber Arthur, ich war erstaunt noch aus Velden einen Brief zu bekommen, ich hab geglaubt, daß Sie schon in Ischl sind. Dr.Kapper sagte mir, daß Sie nach Ischl berufen würden zu ihrer Patientin, der alten Dame aus der Praterstraße, die gefährlich erkrankt sei. Seine Frau hat es ihm geschrieben, die es von Ihrem Cousin Mandl erfahren hatte. Es war also nicht sschlimm oder überhaupt nur Gerücht?
Es scheint, daß Sie sich in Velden doch ziemlich behaglich gefühlt haben. Der Ort muß sich wol sehr zu seinem Vorteil verändert haben. Damals hat man sschlecht gegessen. Gestern hab ich Hofmansthal’s gesprochen, die |mit ihrem Aufenthalt in Marienbad  sehr unzufrieden waren und vor der bestimmten Zeit fort sind. Hier auf der Ringstraße, der noch immer meine Abendspaziergänge gelten, ist man wenigstens vor Enttäuschungen sicher. Der liebe, gute, alte Staub bleibt sich dort immer gleich. Auf einer dieser Sommerreisen habe ich auch DrKapper getroffen, gestern auch Ebermann und Beraton. Oh, es sind schon noch Leute in Wiensogar Ihr Hirschfeld. –
Übrigens bin ich auch einmal mit der neuen Stadtbahn von Karlsplatz nach Hietzing gefahren und hab dabei an unsere letzte »grausige Fahrt« gedacht.
Auch für Abwechslung ist gesorgt, Max ist heute angekommen (sehr zufrieden) Emil fährt übermorgen für 6 Wochen fort.
Was mich betrifft, so glaube ich nicht, daß ich die berühmte Fußpartie, |die wol zum großen Teil im Landauer zurückgelegt werden dürfte, mitmachen werde. Wenn ich 4 Seiten mit den Gründen anfüllen wollte, die mich davon abhalten, so würde das nicht viel nützen, da Sie diese Gründe doch unzureichend finden würden; sie sind es vielleicht auch wirklich, ich erspare sie also Ihnen und mir. Es wäre ja ganz leicht, ich könnte einfach sagen, daß ich gerade vom 6. bis ausgerechnet 16. August von einem heftigen Arbeitsfieber befallen sein werde, das mir nicht gestattet u.s.w., aber das würden Sie mir nicht glauben; sagen wir also, es ist Stimmungssache. (Ich weiß, daß ich eigentlich gar kein Recht habe, Stimmungen unterworfen zu sein, daß man dazu viel jünger sein und noch so und soviele andere Eigenschaften haben muß, aber manchmals lebe ich halt auch über meine Verhältnisse.)
Im Vertrauen teile ich Ihnen mit, daß ich mich mit der kühnen Idee trage |gar nicht fortzugehen, wenigstens nicht für längere Zeit, auf die Gesahr hin mich um allen Credit zu bringen und im nächsten Herbst, wenn das Gespräch mit den Leiden und Freuden des Sommers bestritten wird, ganz gesellschaftsunfähig zu werden. Es fehlt mir die Lust und Energie mich der Einförmigkeit, an die ich mich bereits gewöhnt habe, zu entreißen, die ich dann nach einer kurzen Unterbrechung wieder stärker empfinden würde, an die ich mich neu gewöhnen müßte. Vielleicht komm ich aber doch auf zwei – drei Tage nach Ischl; für diese Auszeichung würde sich aber Ischl dann nur bei Ihnen zu bedanken haben. Konstatiren will ich auch noch, daß dies der längste Brief ist, den ich seit Jahren geschrieben habe. Nun wünsche ich Ihnen und Ihren Reisegefährten, denen ich meine ergebensten Grüße zu melden bitte, schönes Wetter und viel Vergnügen.
Herzlichst
Gustav.
    Bildrechte © University Library, Cambridge