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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: [10.? 3. 1903]
Schwarzkopf, Gustav
Wien
Empfang: [10.? 3. 1903]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, A 117,4
Typ Brief
Beschreibung Durchschlag, 5 Blätter, 5 Seiten, 3.849 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift Bleistift (marginale Korrekturen)
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift Vermerk: »März 1903, nach der (Vor-) Lecture des ursprüngl Doppelstücks von G. Schwarzkopf«
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Der einsame Weg. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Anna Lindner und Isabella Schwentner unter Mitarbeit von Teresa Klestorfer, Marina Rauchenbacher und Miriam Sibitz. Berlin, Boston: deGruyter 2024, S. 1236–1238.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Gustav Schwarzkopf an Arthur Schnitzler, [10.? 3. 1903]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04331.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04331«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 10. 3. 1903

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Gustav Schwarzkopf an Arthur Schnitzler, [10.? 3. 1903]

|Johanna ist nicht die Tochter, sondern nur eine entfernte Verwandte, die im Hause erzogen wurde. Zwischen ihr und Hans eine Art Liebe, mit Ehe in Aussicht, die aus Kameradschaft, gemeinsamen Interessen, Ansichten entstanden ist.
Eine jüngere Freundin der Frau Pflugfelder |:in der Nachbarschaft wohnend:|. Ihr Mann ist einige Wochen nach der Hochzeit unheilbar erkrankt. Sie pflegt ihn seit fünfzehn Jahren.
Sie hat die Einleitungsszene mit Johanna, die erklärt, dass sie nicht leiden sehen kann, sich wundert, dass Frau Anna ihren Mann nicht verlassen hat. Sie hat ja auch nur ein Leben, das ebensoviel wert sei wie das seine.
Frau Anna: sie liebe ihn wol nicht mehr, sie empöre sich wol auch zuweilen gegen das Schicksal, aber sie habe nun einmal dieses Los gezogen – Pflicht – sie hindert ihn, sich zu töten. Sala hat ihr einmal vor langen Jahren von Liebe gesprochen. Sie hat ihn zurückgewiesen.
|Dann die Szenenführung wie bisher. Prof. Bernhardi, das Gespräch des Hans mit ihm. Nur müssten die Schrecken, die der erkrankten Frau harren, in der Unterredung mit Bernhardi stärker betont werden, ebenso wie das ganz ungewöhnlich innige Verhältnis zwischen Mutter und Sohn, das die scherzhaft geäusserte und ernst gemeinte Eifersucht des Vaters hervorgerufen hat.
 
II. Akt
Unmittelbar nach dem Begräbnis. Man erfährt, wie die Frau einige Wochen gelitten.
Der Mann ganz gebrochen.
Johanna zu ihrer Ueberraschung tiefer erschüttert als sie glaubte.
Hans in tiefstem Schmerz, aber gefasst, nur irritiert von dem wortreichen Schmerz der Andern. Verwundert, dass Niemand ausspricht, dass der schnelle Ausgang doch eigentlich noch ein Glück sei.
|Bernhardi ahnt, da er Hansens Ansichten kennt, und giebt es ihm zu verstehen.
Dann irgend ein Kondolenzbesuch von Frauen.
Zum ersten Mal fällt das Wort »Erlösung«. Hans klammert sich daran. Mit dem ganz vernichteten Vater allein geblieben, greift er das Wort wieder auf, verallgemeinert, ob man nicht dürfte . . .  man müsste. . .  Dann erzählt er. Er hat seine Mutter überrascht, wie sie sich zu dem Schränkchen tastete, zu dem der Vater und er die Schlüssel haben. Er hat sie gefragt und da hat sie ihn auf den Knieen gebeten, ein Ende zu machen. Er brauche es nicht selbst zu tun: ein Versehen, er brauche nur den Schlüssel stecken zu lassen. Das hat er getan.
Dann wie bisher, nur das Entsetzen, der Abscheu des Vaters stärker.
 
|III. Akt.
Einige Tage später.
Hans, Johanna. Auch sie wendet sich von ihm ab, sie empfindet Grauen in seiner Nähe. Er erinnert sie, wie stark sie sich gegeben, dass sie seine Ansichten geteilt.
Sie sagt, sie sei eben nur ein ganz gewöhnliches Weib, ihre Geistesstärke war nur Anempfindung, nur der Wunsch, ihm zu gefallen. Jetzt kann sie’s garnicht denken, dass sie ihm angehören könnte.
Es kommt die Nachricht, dass Frau Anna’s Mann gestorben sei. Sie kommt vielleicht selbst und erzählt, dass er in schmerzfreien Stunden doch noch gern gelebt habe. Ob er die nicht beneide?
Dann ein paar Füllszenen.
Etwa Sala |:auch Arzt:|, der seine Reise aufgeben will, um Anna zur Seite zu stehen.
Schlussszene zwischen Vater und Sohn. Hans bereut nicht, fühlt sich nicht schuldig, spricht |für seine Ueberzeugung. Er durfte so handeln, weil er sie am besten, am wahrsten geliebt hat, – darum musste er ihr diesen letzten Liebesdienst erweisen. Wie, wenn Einer an seiner Ehre unheilbar erkrankt ist, drückt Ihr ihm den Revolver in die Hand. Besser der Tod als die Schande. Das bewundert Ihr, das gebt Ihr zu, das ist ein Liebesbeweis. Warum denn nicht auch besser der Tod als entsetzliches Leiden?
Er geht fort, für Sala, nach Asien. Nicht um den Tod zu suchen, nicht um zu büssen, nur um den Personen, die seinen Anblick nicht ertragen können, aus dem Wege zu gehen. Und wenn er doch zurückkommt – und er wird sich tapfer wehren –, wird ihm sein Vater vielleicht doch wieder die Hand drücken können.
Gustav Schwarzkopf.
    Bildrechte © University Library, Cambridge