|Johanna ist nicht die Tochter, sondern nur eine entfernte
Verwandte, die im Hause erzogen wurde. Zwischen ihr und Hans eine Art Liebe, mit Ehe
in Aussicht, die aus Kameradschaft, gemeinsamen Interessen, Ansichten entstanden
ist.
Eine jüngere Freundin der Frau Pflugfelder |:in der Nachbarschaft wohnend:|. Ihr Mann
ist einige Wochen nach der Hochzeit unheilbar erkrankt. Sie pflegt ihn seit fünfzehn
Jahren.
Sie hat die Einleitungsszene mit Johanna, die erklärt, dass sie nicht leiden sehen
kann, sich wundert, dass Frau Anna ihren Mann nicht verlassen hat. Sie hat ja auch
nur ein Leben, das ebensoviel wert sei wie das seine.
Frau Anna: sie liebe ihn wol nicht mehr, sie empöre sich wol auch zuweilen gegen das
Schicksal, aber sie habe nun einmal dieses Los gezogen – Pflicht – sie hindert ihn,
sich zu töten. Sala hat ihr einmal vor langen Jahren von Liebe gesprochen. Sie hat
ihn zurückgewiesen.
|Dann die Szenenführung wie bisher. Prof.
Bernhardi, das Gespräch des Hans mit ihm. Nur müssten die Schrecken, die der
erkrankten Frau harren, in der Unterredung mit Bernhardi stärker betont werden,
ebenso wie das ganz ungewöhnlich innige Verhältnis zwischen Mutter und Sohn, das die
scherzhaft geäusserte und ernst gemeinte Eifersucht des Vaters hervorgerufen hat.
II. Akt
Unmittelbar nach dem Begräbnis. Man erfährt, wie die Frau einige Wochen gelitten.
Der Mann ganz gebrochen.
Johanna zu ihrer Ueberraschung tiefer erschüttert als sie glaubte.
Hans in tiefstem Schmerz, aber gefasst, nur irritiert von dem wortreichen Schmerz
der
Andern. Verwundert, dass Niemand ausspricht, dass der schnelle Ausgang doch
eigentlich noch ein Glück sei.
|Bernhardi ahnt, da er Hansens Ansichten kennt,
und giebt es ihm zu verstehen.
Dann irgend ein Kondolenzbesuch von Frauen.
Zum ersten Mal fällt das Wort »Erlösung«. Hans klammert sich daran. Mit dem ganz
vernichteten Vater allein geblieben, greift er das Wort wieder auf, verallgemeinert,
ob man nicht dürfte . . . man müsste. . . Dann erzählt er. Er hat seine Mutter überrascht, wie sie sich zu dem Schränkchen
tastete, zu dem der Vater und er die Schlüssel haben. Er hat sie gefragt und da hat
sie ihn auf den Knieen gebeten, ein Ende zu machen. Er brauche es nicht selbst zu
tun: ein Versehen, er brauche nur den Schlüssel stecken zu lassen. Das hat er
getan.
Dann wie bisher, nur das Entsetzen, der Abscheu des Vaters stärker.
|III. Akt.
Einige Tage später.
Hans, Johanna. Auch sie wendet sich von ihm ab, sie empfindet Grauen in seiner Nähe.
Er erinnert sie, wie stark sie sich gegeben, dass sie seine Ansichten geteilt.
Sie sagt, sie sei eben nur ein ganz gewöhnliches Weib, ihre Geistesstärke war nur
Anempfindung, nur der Wunsch, ihm zu gefallen. Jetzt kann sie’s garnicht denken, dass
sie ihm angehören könnte.
Es kommt die Nachricht, dass Frau Anna’s Mann gestorben sei. Sie kommt vielleicht
selbst und erzählt, dass er in schmerzfreien Stunden doch noch gern gelebt habe. Ob
er die nicht beneide?
Dann ein paar Füllszenen.
Etwa Sala |:auch Arzt:|, der seine Reise aufgeben will, um Anna zur Seite zu
stehen.
Schlussszene zwischen Vater und Sohn. Hans bereut nicht, fühlt sich nicht schuldig,
spricht |für seine Ueberzeugung. Er durfte so
handeln, weil er sie am besten, am wahrsten geliebt hat, – darum musste er ihr diesen
letzten Liebesdienst erweisen. Wie, wenn Einer an seiner Ehre unheilbar erkrankt ist,
drückt Ihr ihm den Revolver in die Hand. Besser der Tod als die Schande. Das
bewundert Ihr, das gebt Ihr zu, das ist ein Liebesbeweis. Warum denn nicht auch
besser der Tod als entsetzliches Leiden?
Er geht fort, für Sala, nach Asien. Nicht um den Tod zu suchen, nicht um zu büssen,
nur um den Personen, die seinen Anblick nicht ertragen können, aus dem Wege zu gehen.
Und wenn er doch zurückkommt – und er wird sich tapfer wehren –, wird ihm sein Vater
vielleicht doch wieder die Hand drücken können.
Gustav Schwarzkopf.