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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 3. 12. 1901
Rilke, Rainer Maria
Westerwede
Empfang: [4. 12. 1901 – 7. 12. 1901?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 84
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.256 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift eine Unterstreichung
Veröffentlichung 1
Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Ihr Briefwechsel. Mit Anmerkungen herausgegeben von Heinrich Schnitzler In: Wort und Wahrheit, Jg. 13, Nr. 4, April 1958, S. 282–298, hier S. 286–287.
Veröffentlichung 2
Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Ihr Briefwechsel. Mit Anmerkungen herausgegeben von Heinrich Schnitzler In: Wort und Wahrheit, Jg. 13, Nr. 4, April 1958, S. 282–298, hier S. 288–289.
Veröffentlichung 3
Rainer Maria Rilke: Briefe in zwei Bänden. Herausgegeben von Horst Nalewski. Frankfurt am Main, Leipzig: Insel 1991, S. XXXX.
Veröffentlichung 4
Rainer Maria Rilke: Briefe zur Politik. Herausgegeben von Joachim W. Storck. Frankfurt am Main, Leipzig: Insel 1992, S. XXXX.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Rainer Maria Rilke an Arthur Schnitzler, 3. 12. 1901. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L04540.html (Abfrage 11. 9. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L04540«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 3. 12. 1901

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Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Rainer Maria Rilke an Arthur Schnitzler, 3. 12. 1901

am 3. Dezember 1901.

Lieber und verehrter Doctor Schnitzler,

an diesem Abend, vor einer halben Stunde habe ich meiner Frau das kleine Schauspiel »Lebendige Stunden«, das wir in der Neuen Deutschen Rundschau fanden, vorgelesen – und es hat uns beide sehr unmittelbar ergriffen und festgehalten und – hält uns noch. Mir ist es ganz besonders lieb um einer gewissen, man könnte fassagen: äußerlichen Verwandtschaft mit »Der Gefährtin« willen. Und jetzt scheint mir sogar, als ob diese Verwandtschaft nicht so äußerlich wäre, wie man zunächst meinen könnte. Denn es ist eine ganz bestimmte Stimmung, gleichsam |der Duft vom Wesen einer toten Frau, in dem diese beiden Dramen spielen wie andere in einem Abend oder in einer bürgerlichen Wohnstube. Der leise Nachklang einer Persönlichkeit ist hier dramatisiert und wirkt geradezu wie der Ort, an dem die Szene vor sich geht. Der leere Lehnstuhl ist der Platz an dem die Lebende oder Sterbende zu suchen war: das Stück aber spielt in jener Stunde (jener einen geheimnisvollen Stunde), wo die Tote gleichsam in allen Dingen ist, wo alles erfüllt ist von ihr, wie erschüttert von Ihrem Abschied. Und durch diese Mitergriffenheit des Raumes haben sie einen Akteur aus ihm gemacht, dessen Schweigen die Stimmen der Redenden wundersam im Gleichgewichte hält. Und der Konflikt dieses Dramas liegt noch tiefer als der der Gefährtin und ist noch dramatischer, weil die letzten heftigen Bewegungen der Handlung hier nicht die Tote ent|larven, sondern vielmehr die beiden Männer erfasst haben, die Lebenden. Durch jene ganz unerwartete Wendung, mit welcher Heinrich die Last des Briefes gleichsam abwirft, indem er nachweist, dass er nicht für ihn bestimmt war, wird die Handlung ganz wieder den beiden Männern gegeben und die Tote hat keinen Theil mehr daran. Sie weiß nicht mehr davon. Sie isschon überlebt, überwunden von dieser einzigen Reflexbewegung des Lebens, die Heinrich in seiner Bedrängnis macht. Und aus dieser Stimmung heraus begreift man den Schluss in seiner ganzen Einfachheit und Stärke. Sogar der Schauplatz ändert sich: der letzte Blick fällt auf den Garten!. . . 
Nun, verzeihen Sie, dass ich mich von der starken Ergriffenheit verleiten ließ, soviel über das kleine Stück zu schreiben; man thut gewöhnlich nicht gut daran, sich in der ersten Freude über die Ursachen eines Eindrucks klar werden zu wollen – |man kann dadurch doch nichts von der Freude, die man empfunden hat übertragen, auf den, der der mittelbare Schöpfer dieser Freude war. Nun, so kommt wenigstens das kleine bescheidene graue Buch, das ich Ihnen in diesen Tagen schon immer senden wollte, zugleich mit einer neuen Dankbarkeit zu Ihnen. Ich möchte, dass es Ihnen etwas Freude bereitet! Außerdem erscheint beiLangen ein kleines zweiaktiges Drama »Das tägliche Leben«, das Sie auch bekommen sollen. Es scheint indessen, dass der Verlag die Buchausgabe erst am Tag der Erstaufführung ausgeben will: so müssen Sie noch eine Weile warten. Das Stück ist für die litterar. Abende des Residenztheaters in Berlin und für das Deutsche Schauspielhaus (Baron Berger) in Hamburg angenommen, aber über den Termin der Aufführung ist mir noch nichts bekannt. Ich grüße Sie, lieber und verehrter Doctor Schnitzler, in viel aufrichtiger Herzlichkeit und Verehrung!
Ihr:
RainerMariaRilke
    Bildrechte © University Library, Cambridge