Es freut mich herzlich, Sie zufrieden zu wissen und von guten und gescheiten Menschen
umgeben zu denken. Unser Goldmann, der im
Journalismus lebt und sich so völlig vor mesquinerie bewahrt hat, und Frau Dr Salomé sind ganz die Atmosphäre, worin einem die
Vermuthung von der Jugend der Seele glaubhaft wird. Ich bin, in gewissem Sinn,
mutterseelenallein, und |doch so
montiert, dass ich mich manchmal gewaltsam zwingen muss, an die Realität zu glauben.
Mir ist, wie einem der in der tiefen stillen Kajüte eines Schiffes dem schönsten Land
langsam zufährt.
Es sind wundervolle Sommertage. Ich wohne in einem kühlen niedrigen Bauernzimmer,
hinter einem großen Birnbaum. Gegenüber ist ein zehnjähriges Mädel, die doch eine
Frau ist, und ihr eigenes Kind, ihre eigene Mutter ist. Ich habe den »Faust« mit und die Wanderjahre. Ich weiß von meinem |wirklichen Leben und bin doch
unendlich weit davon.
Die frischen Birnen sind ganz warm von der gedämpften Sonne, die im Wipfel des
Birnbaums ist. Von der Helena les’ ich diesen
Vers: »Wer sie versteht, der darf sie
nicht entbehren!« Heute abend werd ich nach Znaim hineinfahren, wo Musik von den Deutschmeistern ist und in der kühlen sternhellen Nacht zurückfahren, ein
bissel vom weißen Wein montiert, auf einem hohen Wagen, der sehr |unsicher fährt, mit meinem
Rittmeister und meinem hübschen und indolent-graciösen Lieutenant, die in der Nacht sehr wenig und sehr lieb reden werden. Begreifen Sie dass ich zufrieden bin?
Leben Sie wohl und denken mit Ihren Freunden freundlich an mich. Adieu.
Der Ihre
Hugo.
Hugo.
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