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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 27. 9. [1893]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [28. 9. 1893 – 2. 10. 1893?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3163
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.724 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »93« vermerkt
2) mit rotem Buntstift eine Unterstreichung

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 27. 9. [1893]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02717.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02717«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 27. 9. 1893

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Schnitzler/Bahr
Schnitzler/Bahr

Bahr: Das junge Oesterreich. II, 27. 9. 1893

Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 27. 9. [1893]

Directeur M. L. Sonnemann. Paris, 27.  September.
Journal politique, financier,
commercial et litteraire.
Paraissant trois fois par jour
Bureaux à Paris:

Mein lieber Arthur!

Ich danke Dir für Deinen lieben Brief und für die Sendung Deiner Bücher. Und noch besonders danke ich Dir für die paar frohen Stunden in Salzburg. Mir hat das eine Zeit lang die Empfindung der Heimatlosigkeit genommen. Damit hast Du eine gute That für einen armen Verlassenen gethan, und dieses Bewußtsein soll Dich Deinen Katarrh leichter tragen lassen, dem ich übrigens von Herzen ein baldiges Ende wünsche.
In Muenchen gab es noch ein paar schöne Augenblicke. Es ist eine liebe Stadt, in |manchen Beziehungen ein Wien, in manchen sogar ein besseres Wien. Die Hauptzeit habe ich in der Pinakothek verbracht und mir die Augen mit Schönheit vollgesogen – Proviant für eine lange, öde Reise. Von meinem Onkel bin ich kühler geschieden als je. Auch von diesem Manne scheint mich das Leben trennen zu wollen. Wir sind plötzlich gereizt gegen einander, so müssen wir das zu verbergen trachten. Im Grunde, glaube ich, grollt wohl Einer dem Andern, daß er ihm nicht helfen kann. Gleiche Unproductivität, gleiche negative Schärfe, gleiche Willenlosigkeit und Unstätheit auf beiden Seiten. Diese Erkenntniß hat mir das Herz erfrieren gemacht, und so bin ich aus Muenchen herausgefahren. Trostlose, endlose Rückreise. |Und nun bin ich hier, und Bergeslasten liegen mir wieder auf der Brust. Ich habe gerade heut Morgen wieder eine Stunde gehabt, wo ich meinte, ich müsse ruhig die Hände in den Schoß legen und auf dem Sessel sitzen bleiben, weil ich nicht mehr weiter kann. Die alte Thätigkeit widert mich an, die Leute und die Verhältnisse hier sind mir verhaßt, von allen Seiten stellen sich wieder die Unmöglichkeiten in den Weg. Vor Allem aber habe ich die klare Erkenntniß, daß ich im Begriff bin, mein Leben zu verfehlen. Ich sehe alle Fehler, ich sehe die deutliche Wendung meines Wesens in der falschen Richtung, ich |habe aber nicht die Kraft, zurückzureißen. Ich frage mich: Was ich eigentlich auf der Welt soll? und ich weiß es nicht. Mir sällt ein, daß ich bald dreißig bin und daß ich nichts, nichts, nichts noch geschaffen habe; und ich weiß ganz genau, daß das Werk auch in Zukunft nicht kommen wird. Und sonst noch tausenderlei. Oh pfui! . . . . . 
Nun wollen wir sehen, was sich in Paris für Dich thun läßt. In Muenchen war vorläufig nichts zu machen; aber ich habe eine Versprechung. Nochmals: Vergiß’ nicht, mich sofort zu benachrichtigen, wenn dein Stück zur Aufführung angesetzt ist. Sei von Herzen begrüßt, Du und die lieben Freunde!
Dein
Paul Goldmann
Wichtig: Denk’ an die Empfehlung, bitte. Ich bin so einsam hier!
Schreibe mir sehr bald!
|Mandel kenne ich nicht ebenso wenig wie den deutschen Quartettverein. Er verwechselt mich wahrscheinlich mit meinem Vorgänger.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar