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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 4. 6. [1896]
Goldmann, Paul
Paris
Empfang: [5. 6. 1896 – 9. 6. 1896?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3166
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 8 Seiten, 2.377 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift das Jahr »96« vermerkt
2) mit rotem Buntstift vier Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 4. 6. [1896]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02776.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02776«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Donnerstag, 4. 6. 1896

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 4. 6. [1896]

Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique, financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Bureau à Paris Paris, 4. Juni.

Mein lieber Freund,

In Eile nur ein Wort des Dankes für Deinen lieben Brief!
So ist es also abgemacht: Ich komme nach Dänemark, – immer unter der Voraussetzung, daß die weite Reise nicht über meine Mittel geht. Kannst Du mir mittheilen, was man ungefähr pro Tag in Scottsborg braucht? |Ich freue mich unendlich darauf, Dich wiederzusehen. Du wirst mir wohl noch weitere Details angeben. Wann reist Richard? Zurück will ich dann über Berlin gehen.
Die Ernennung von Antoine zum Director des Odéon eröffnet uns eine unverhoffte Aussicht, Dein Stück doch noch hier auf ein großes Theater zu bringen. Nächstens mehr darüber.
|M. Christian Schefer besuchte mich dieser Tage u. sagte mir, er habe einen Artikel über Dich geschrieben, und derselbe werde bereits in den nächsten Wochen erscheinen. Er hat natürlich auch einige Ausstellungen gemacht, und ich habe mich wohl gehütet, ihn daran zu verhindern (so dumm ich auch seine Einwände finde). Die »Nouvelle Revue« ist, wie Du |weißt, von der Deutschen-Feindin Madame Adam redigirt. Noch nie ist darin ein ausführlicher Artikel über einen deutschen Schriftsteller erschienen; die Besprechung, die Dir M. Schefer widmet, ist darum noch aus diesem besonderen Grunde ehrenvoll für Dich.
Von mir soll ich Dir schreiben? Was denn, bitte? Ich weiß |nichts, was Dich interessiren könnte. Mein Leben steht überdies fast jeden Tag in der Frankfurter Zeitung.
Die »Illustration« schicke ich Dir dieser Tage.
Gewiß, Dehmel ist mir widerwärtig – oh, und wie!
Gewiß, der kleine Loris ist nicht manierirt, |sondern ehrlich – oder vielmehr seine Manier ist Ehrlichkeit. Aber das ist eben das Schlimme, das eine so ungünstige Prognose rechtfertigt. Wenns nur in der Haut säße! Aber es sitzt tiefer, im Kern. Man hat dem kleinen Burschen solange eingeredet, daß er ein Genie ist, bis er dahin gekommen ist, jeden Sprung seiner Gedanken für genial zu nehmen. |Er hat nicht eine der nothwendigsten Eigenschaften des Talents: Selbstzucht. Er empfindet drauf los und schreibt idem. Auch liegt Verbildung vor, – Überstopfung mit Wissenskram. Man hat diesen jungen Mann systematisch zum Dichter ausbilden wollen, und das geht nicht. Die Goethes lassen sich nicht züchten. Das Beste in der Entwickelung |thut der Zufall (oder das Leben, wenn man demselben Ding einen anderen Namen geben will, oder die Natur, was auch dasselbe ist).
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund!
Dein treuer
Paul Goldmann.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar