Fondateur M. L. Sonnemann.
Journal politique,
financier,
commercial et littéraire.
Paraissant trois fois par jour.
Mein lieber Freund,
In Eile nur ein Wort des Dankes für Deinen lieben Brief!
So ist es also abgemacht: Ich komme nach Dänemark, – immer unter der Voraussetzung, daß die
weite Reise nicht über meine Mittel geht. Kannst Du mir mittheilen, was man ungefähr
pro Tag in Scottsborg braucht? |Ich freue mich unendlich darauf,
Dich wiederzusehen. Du wirst mir wohl noch weitere Details angeben. Wann reist Richard? Zurück will ich dann über Berlin gehen.
Die Ernennung von Antoine zum Director des Odéon eröffnet uns eine
unverhoffte Aussicht, Dein Stück doch noch hier auf ein großes Theater zu bringen. Nächstens mehr
darüber.
|M. Christian Schefer besuchte mich dieser Tage u. sagte mir, er habe einen Artikel über Dich geschrieben, und derselbe werde bereits in
den nächsten Wochen erscheinen. Er hat natürlich auch einige Ausstellungen gemacht,
und ich habe mich wohl gehütet, ihn daran zu
verhindern (so dumm ich auch seine Einwände finde). Die »Nouvelle Revue« ist, wie Du |weißt, von der Deutschen-Feindin
Madame Adam redigirt. Noch nie ist darin ein ausführlicher Artikel über einen deutschen
Schriftsteller erschienen; die Besprechung, die Dir M. Schefer widmet, ist darum noch aus diesem besonderen Grunde ehrenvoll für Dich.
Von mir soll ich Dir schreiben? Was denn, bitte? Ich weiß |nichts, was Dich interessiren könnte. Mein Leben steht überdies fast jeden Tag in der Frankfurter
Zeitung.
Gewiß, Dehmel ist mir widerwärtig – oh, und wie!
Gewiß, der kleine Loris ist nicht manierirt, |sondern ehrlich – oder
vielmehr seine Manier ist Ehrlichkeit. Aber das ist eben das Schlimme, das eine so
ungünstige Prognose rechtfertigt. Wenns nur in der Haut säße! Aber es sitzt tiefer, im Kern. Man hat dem kleinen
Burschen solange
eingeredet, daß er ein Genie ist, bis er dahin gekommen ist, jeden Sprung seiner
Gedanken für genial zu nehmen. |Er hat nicht eine
der nothwendigsten Eigenschaften des Talents: Selbstzucht. Er empfindet drauf los und schreibt idem. Auch
liegt Verbildung vor, – Überstopfung mit Wissenskram. Man hat diesen jungen Mann systematisch zum Dichter
ausbilden wollen, und das geht nicht. Die Goethes lassen sich nicht züchten. Das
Beste in der Entwickelung |thut der Zufall (oder das
Leben, wenn man demselben Ding einen anderen Namen geben will, oder die Natur, was
auch dasselbe ist).
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund!
Dein treuer
Paul Goldmann.
Paul Goldmann.
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