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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 23. 12. [1899]
Goldmann, Paul
Frankfurt am Main
Empfang: [24. 12. 1899 – 28. 12. 1899?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.NZ85.1.3169
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 3.956 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit rotem Buntstift das Jahr »99« vermerkt und vier Unterstreichungen

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 12. [1899]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L02900.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L02900«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Samstag, 23. 12. 1899

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Paul Goldmann an Arthur Schnitzler, 23. 12. [1899]

|Frankfurt, 23. Dezember.

Mein lieber Freund,

Ich habe Deine lieben Nachrichten lange vermißt und war sehr froh, wieder ausführlich von Dir zu hören.
Wenn Du die »Beatrice« drucken läßt, werde ich sie hoffentlich bald zu lesen bekommen. Wie stehen die Aufführungs-Chancen beim Burgtheater? Und wie in Berlin? Deutsches Theater oder Schauspielhaus? Vielleicht wird es eine meiner ersten Aufgaben sein, über eine Première von Dir zu berichten. Ist der »Reigen« schon gedruckt?. . . . 
In den Fragen Wassermann und Schwarzkopf beharre ich durchaus auf meinem Standpunkte. Wassermann brauchte das betr. Concert nicht zu übergehen, wenn er sonst die Gewohnheit gehabt hätte, über Concerte zu berichten. Da er das aber fast nie thut, so ist die Herausgreifung dieses unbedeutenden Concertes aus der ungeheuren Fülle der Wiener Concerte schon eine ungerechte Bevorzugung; und wenn auch das Lob, das er dem Concertgeber spendet, an sich nicht übertrieben ist, so wird es übertrieben durch den Tadel gegenüber einem anderen viel bedeutenderen Concertgeber, mit dem W. es verbunden hat. Was Schwarzkopf anlangt, so kenne ich seine bedeutenden Vorzüge. Hirschfeld wäre trotzdem der bessere Berichterstatter, weil er zu allem Anderen auch die Musik umfaßt und weil er |etwas lebendiger und farbiger schreibt als Schw. Eine Theilung der Berichterstattung unter die Beiden ist, nach den bei der Frankf. Zeit. bestehenden Einrichtungen, unmöglich. Daß ich die Interessen der Frankf. Zeit. vor Allem zu vertreten habe, weiß ich, auch ohne daß Du es mir sagst, und ich würde Schw. niemals empfohlen haben, wenn ich auch nur einen Augenblick hätte annehmen müssen, er würde als Correspondent den Interessen der Zeitung nicht entsprechen. Es handelt sich hier um zwei ungefähr gleich würdige Candidaten, und wenn irgendwo, so kann hier das Persönliche interveniren. Ich persönlich fühle mich, bei aller Sympathie und Freundschaft sür Schw., doch mehr zu H. hingezogen. Von Dir weiß ich das Umgekehrte. Oder vielmehr ich weiß, daß es Dir lieb wäre, wenn Schw. die Stelle bekäme. Darum schrieb ich Dir, ich würde »Dir zuliebe« in dieser Richtung wirken. Nachdem Du dieses »Dir zuliebe« abgelehnt hast, habe ich, wie ich Dir schon schrieb, mich jeder weiteren Einwirkung auf die Angelegenheit enthalten. . . . 
Nächste Woche gehe ich nach Berlin. Das heißt, wenn ich Geld aus Wien bekomme. Die N. Fr. Pr. benimmt sich |(im Vertrauen gesagt) in skandalöser Weise. Ich habe den Leuten geschrieben, daß ich von der Frankf. Zeit. keinen Gehalt mehr beziehe und daß sie mir infolgedessen meinen Januar-Gehalt vorauszahlen möchten. Das ist vor zehn Tagen geschehen, und ich habe bis heut nicht einmal eine Antwort bekommen. So sitze ich hier ohne Geld in den abscheulichsten Schwierigkeiten, die durch die Weihnachtszeit und das Jahresende nur noch vermehrt werden. Wenn ich das sehe und auf der andern Seite das Bedauern constatire, mit dem die Redaktion der Frankf. Zeit. und das Publikum meinen Weggang begleiten, – so reut mich bereits der gefaßte Entschluß. Auch graut mir vor der neuen schweren Arbeit, – vor dem neuen Blatte und dem neuen Publikum. Ich bin so müde! Und in dieser Muthlosigkeit habe ich nur den einen Wunsch: mich aus all’ den endlosen Kämpfen und Sorgen durch eine reiche Heirath zu retten. Aber auch dazu ist es leider schon zu spät.
Meine Mutter zieht mit mir. Sie muß mitziehen, weil ich sonst nicht für ihren Unterhalt sorgen könnte. Und sie wäre so gern hier geblieben bei ihrem Enkelchen, in der stillen freundlichen Stadt.
|Bitte, theile mir die Berliner Adresse von Fräulein G. mit, – wenn Du wünschest, daß ich sie aufsuche.
Ich hoffe Dich bald in Berlin zu sehen.
Heute wünsche ich Dir von Herzen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.
Meine Mutter und meine andern Verwandten erwidern Deine Grüße und bitten mich, Dir ihre Feiertagswünsche zu übermitteln.
Ebenso bitte ich Dich, mich Deiner Frau Mutter, Deiner Frau Schwester, Deinem Bruder und Deinem Schwager zu empfehlen und ihnen ein frohes Fest zu wünschen.
Von Herzen Dein
Paul Goldmann
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar