|Die
Herausgeber: I., Wipplingerstrasse 38
Prof. Dr. I. Singer
Dr. Heinrich Kanner
Redaction.
Interurbanes Telephon Nr. 15.988
= Telephone Nr. 17.040, 17.041 =
Lieber Freund, ich habe sehr bedauert, dass mich die Satzcorrectur
zum »Fünfkreuzertanz« Samstag bis
2 Uhr in der Redaction aufhielt, so dass ich Sie nicht mehr sehen konnte. Ich bitte Sie nun um einige
Kleinigkeiten, die Sie gelegentlich, ohne Mühe ausrichten, und für die ich Ihnen sehr
dankbar wäre. Erstens Herrn Dr Löwenfeld bestens von mir zu grüßen,
und ihm zu sagen, dass ich seinen Aufsatz über volksthümliche
Claßikervorstellungen schon sehnlichst erwarte. Dann erkundigen Sie sich, bitte,
nach dem Schauspieler Paul Paschen (Schillertheater) was das für ein Mensch ist. Ich
habe durch Geh. Rt. Forster einen Artikel von ihm bekommen über
die Schweinerei des Coulissentones. Zuletzt noch – wenn bei Fischer eine
endgültige Entscheidung getroffen ist, depeschiren Sie mir, bitte. Ich bin
sehr neugierig, wie Sie sich leicht denken können. Ich muß nun den |»Moloch« trotzdem ich ihn das erste Mal refüsirt habe, besprechen. Hugo Ganz hätte ihn übel zugerichtet, und bat mich schließlich
darum, weil er Herzl’s Roman »Altneuland« übernommen hat. Ich habe aufmerksam gemacht, dass ich das Buch nicht loben kann, und da
man daran keinen Anstoß nahm, habe ich weiter keine Ursache, mit meiner ganzen
Meinung über W. zurückzuhalten. Bei alledem
hat W. noch Glück. Erstens ist er aus Ganz’ Händen entwischt, zweitens nützt ihm die
Raserei Trebitsch’s bei mir, der schon glaubt,
der Tag der nächsten Woche, an welchem mein Moloch-F. erscheint, sei der Tag des Herrn Trebitsch.
Gettke ist seit ca 14 Tagen im Besitz Ihres Vertrages. Ich
besuche ihn heute, und mache ihm von der inzwischen
eingetretenen Änderung der Dinge Mittheilung. Das schiebt allerdings die Premiere im R. Th. ein wenig hinaus!
Hoffentlich schreiben Sie mir bald!
Herzlichst Ihr
Salten
Salten
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