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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 3. 3. 1903
Salten, Felix
Wien
Empfang: 4. 3. 1903
Schnitzler, Arthur
Berlin
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 89, A 2
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.821 Zeichen
Handschrift Bleistift, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler mit Bleistift »Salten« vermerkt
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »164«

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Felix Salten an Arthur Schnitzler, 3. 3. 1903. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03339.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03339«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 3. 3. 1903

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Kulturveranstaltungen
Weiteres

Felix Salten an Arthur Schnitzler, 3. 3. 1903

|Wien, 3. III. 03
Lieber, zur Premiere kann ich nun leider doch nicht nach Berlin; schade. Ich werde erst so gegen 14.ten März reisen; und habe vorher noch enorm viel zu thun. Was sagen Sie zum Teufelskerl? Das Stück hat Herr Wiene ruinirt, wie vorauszusehen war. Sehr fühlbar wurde mir die tiefe Unmoral, die darin steckt, wenn das Alter sich als Jugend verkleidet und geberdet. Der Widerwille, den man bei solchem Schauspiel empfindet geht bis an ein sexuelles Missbehagen, wenigstens begreift man die Nervenzerrüttung einer Frau, an der ein impotenter Mann heuchlerische Versuche vornimmt, denn mit ähnlicher Bereitwilligkeit zur Empfängnis sitzt so ein Publikum im Theater. Mir wäre es sehr lieb, wenn Sie mir statt einer Ansichtskarte einmal näheres über die Proben ec. Berlin ec. schrieben, falls es Ihre Zeit gestattet.
In Angelegenheit der Mirjam H. muß ich Sie nochmals bemühen: bald und möglichst schonend. Sie schreibt mir heute einen confusen Brief; ob sie »nach hier« kommen soll, oder wann ich »nach dort« komme, ferner, dass ich nicht durch mein Wort an ihren Vater gebunden bin, falls sie mit mir verkehrt, endlich, dass ich an einen Vertrauten von ihr schreiben soll, das sei auch nicht gegen mein Versprechen ec. Dann noch recht enervirende Dinge von »sich angehören vor aller |Welt –« »den Leuten zum Trotz« ec. und in diesem Stil, der die Liebe recht unangenehm macht.
Das Wesentliche an der Sache: dass ich ihrem Vater wahrscheinlich kein Versprechen gegeben hätte, wenn ich Mirjam sehr lieb hätte. Ferner: dass ich aber, nun ich das Versprechen gab, keine Lust habe Geschichten zu machen. Bringen Sie ihr das bitte schonend bei. Das mit dem Versprechen nämlich, und vor allem, dass sie nichts gewinnt, wenn sie gewaltsame Streiche macht, da mir solche von jeher zuwider waren. Aber bitte, seien Sie sehr schonend, weil sie mir mit Selbstmord droht, was auch eine hübsche Gewohnheit von ihr ist.
Am 14. fahre ich auf 8 Tage nach Berlin. Im April voraussichtlich nach Bosnien und Dalmatien. Im Mai nach London auf 14 Tage.
|Ich lese jetzt die »Gespräche des göttlichen Aretino,« und finde darin zu meinem Erstaunen die römische Buhlerin, die Bekenntnisse ablegt. Sie wissen, dass ich ein solches Buch schreiben wollte. Arbeiten kann ich nur wenig, da mir die Zeit fast alles weg nimmt. Nun soll Aram fort, und ich für 8400fl. jährlich auch das Feuilleton übernehmen; außerdem heißt es, – mit mir wurde noch nicht davon gesprochen – dass ich Chef-Stellvertreter werden soll. Ich wünschte mir, dass der Tag dann – 36 Stunden haben möge, eine Erhöhung, mit der ich noch mehr einverstanden wäre. Für London habe ich mir jetzt eine Engländerin angeschafft, die 3mal die Woche kommt. Ich beginne den »Hund |von Florenz« den ich vielleicht dann in Bosnien fertig mache.
Schreiben Sie mir bitte recht bald. Bin neugierig, wie sich Herr Jacobsohn benehmen wird.
herzlichst Ihr
Salten
    Bildrechte © University Library, Cambridge