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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 18. 5. 1927
Zweig, Stefan
Salzburg
Zustellung: [19. 5. 1927 – 21. 5. 1927?]
Wien
Empfang: [21. 5. 1927?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 118
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 2 Seiten, 3.017 Zeichen
Handschrift blaue Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit Bleistift beschriftet: »Zweig«
2) mit rotem Buntstift 13 Unterstreichungen
Veröffentlichung 1
Stefan Zweig: Briefwechsel mit Hermann Bahr, Sigmund Freud, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Jeffrey B. Berlin, Hans-Ulrich Lindken, Donald A. Prater. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987, S. 427–429.
Veröffentlichung 2
Stefan Zweig: Briefe. Bd. III: 1920–1931. Herausgegeben von Knut Beck, Jeffrey B. Berlin. Frankfurt am Main: S. Fischer 2000, S. 186–188.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 18. 5. 1927. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03674.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03674«.

Wikipedia-Vorlage
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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Mittwoch, 18. 5. 1927

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Gedruckte Briefwechsel

Raoul Auernheimer an Arthur Schnitzler, 18.5.1927

Quelle: The Correspondence of Arthur Schnitzler and Raoul Auernheimer with Raoul Auernheimer’s Aphorism. Edited with introduction and notes by Donald G. Daviau and Jorun B. Johns. Chapel Hill: The University of North Carolina Press, 1972 (University of North Carolina Studies in the Germanic Languages and Literatures, 73).

Weiteres

Stefan Zweig an Arthur Schnitzler, 18. 5. 1927

|18. Mai 1927
Lieber verehrter Herr Doktor, man sagt mir, irgend eine Zeitung hätte Ihren fünfundsechzigsten Geburtstag gemeldet: nun, den habe ich gründlich verschlafen und komme mit einem späten, darum nicht minder herzlichen Glückwunsch. Und sage Ihnen gleichzeitig Dank für Ihre ausserordentliche Novelle. Ich hatte seinerzeit die ersten drei Fortsetzungen in der B. I. gelesen, die andern versäumte ich und war schon besser und wichtiger! – ich blieb gespannt und hatte so deutlich alle Figuren und Situationen im Gedächtnis, dass ich im Buche gleich dort weiterlas, wo mir die Continuität genommen war. Ich erzähle Ihnen das, um Ihnen am lebendigen Object die Plastik Ihrer Figuren zu erweisen: ich hatte nicht einen Zug von ihnen vergessen, so scharfkantig waren sie in mein Gedächtnis eingeprägt. Ja, das ist wieder eine ausserordentliche Novelle, geradlinig im Ablauf und doch kreisförmig rund, rein abgeschlossen und vier Menschen voll erfüllend, fünf eigentlich, denn auch der Consul, den Sie bewusst abdunkeln, erfüllt sich als Character. Vorbildlich bleibt mir die Ruhe Ihres Erzählens erregter und erregender Zustände: ich fühle, wie viel mir da von Ihnen zu lernen nottut und ich schäme mich nicht, willig dies Vorbildliche Ihrer ruhig referierenden und dabei den Atem der andern festhaltenden Kunst einzugestehen. Möge Sie |dies grossartige Gelingen Ihres epischen Ausdrucks entschädigen für die hässliche, mesquine und undankbare Art, mit der man gegen Ihre dramatische Production verfährt. Ich empfinde es als ein Unrecht gegen uns alle im Sinne der geistigen Gemeinschaft, dass Ihrem letzten Stück sich das würdige Theater nicht gefunden hat, dass der erbärmlichste französische Dreck meisterlich insceniert und interpretiert wird, indess man wagt, ein edel geformtes und geistig ergreifendes Werk von Ihnen so einfach zur Seite zu legen. Ich spüre diese Art Kränkung vehementer als eine mir selbst zugefügte.
Sonderbar: in der Novelle erhob sich mir jener Einwand, den ich bei Fräulein Else schon verspürt hatte. Sie scheinen mir, Sie, der im Leben so Bescheidene, in der Kunst verschwenderisch mit dem Gelde. Ich habe, obwohl aus reichem Hause, einen Tausendguldenschein bei meinem Vater nie gesehen und kann mir kaum ausdenken wo die Leopoldine diese schwer zu beschaffende Note so rasch aufgetrieben hat. Mir wäre es tragischer erschienen, wenn ein amer Teufel von Leutnant schon um einer jämmerlichen Summe von 800 Gulden zu Grunde gienge. Elftausend, das war damals schon eine kleine Villa in Hietzing. Seien Sie nicht böse, dass ich auch auf solche Kleinigkeiten sehe: ich glaube nur rein technisch, dass es wichtig ist zu zeigen, wie im Leben oft an einem Hosenknopf ein Schicksal scheitert. Die grosse Summe steigert den Leichtsinn des Leutnants und entschuldigt das Zögern seiner Verwandten: ich hätte als junger Mensch bei all meinen reichen Verwandten um 1000 Gulden schon vergeblich gebeten. Dies wahrhaftig mein einziger Einwand inmitten leidenschaftlich dankbarer Zustimmung.
Ihr getreu ergebener
Stefan Zweig
    Bildrechte © University Library, Cambridge