den 9. VIII. 97
Verehrter, lieber Herr Doctor!
Ihre lieben und liebenswürdigen
Zeilen
bestätige
mich
↓mit↓
herzlicher Freude! Inzwischen haben Sie ja auch erfahren, dass ich selbst von der
absurden Correctur-idee
zurückkam
, gleich
nachdem ich diese Absicht Ihnen mittheilte! Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich folgen
werde; schön still und ruhig sein und mich trösten. Ich bin ja so folg
|sam. .
Heute haben Sie sich wieder ein neues Verdienst erworben! Sie haben
meine Ballfrisur für die kommende Saison gerettet, die ich auf dem besten Wege war,
zu zerstören durch verzweifeltes Ausrupfen jedes einzelnen Haares! Als ich Ihre
Trostzeilen
erhielt, beendigte ich sofort diese
ebenso amusante, als vortheilhafte Procedur. Es ist aber nicht schön von Ihnen, dass
Sie meinen heiligen Schmerz herabwürdigend, mich — zwar lieb und herzig – so
frozzeln. Von einer … »
Parabel. . « dürfen Sie mir eben nur schreiben, aber nicht spre
|chen, sonst hätte ich Ihnen schnell bewiesen, dass ich
selbst Ihnen, meinem hochmögenden Gönner gegenüber, nicht »wehrlos« bin, wenn ich
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rosige und scharfe Fingernägel nicht ganz vergesse.
– Sonst aber bin ich kalt- und back-fischblütig –, werde mich nicht ins Wasser stürzen,
umso mehr ich wieder einmal – von 40° Fieber vor 14 Tagen aufgestanden –
höchst sorgsam auf meine miserable Gesundheit achten muss, welche ein anderes als
moralisch kaltes Bad jetzt absolut nicht verträgt. –
|Also ich tröste mich. . . .
Jemand, der nicht allzudumm ist, hat ↓mir↓ einmal gesagt –
sehr drastisch und geradezu – »Publikum ist, wer nichts versteht« –. Da Sie derselben
Ansicht – nur in homöopathischer Verdünnung, zu sein scheinen, wird es wohl so sein.
– – –
Viele, viele herzliche »Danke« für Ihren geschriebenen Samariterdienst – und ebenso
viel herzliche Grüße!
Stets dankbarer und mit unveränderlicher Verehrung
Elsa Plessner
P. S. Haben Sie
»
Warten«
im »
Magazin« vom
23. Juli bemerkt?