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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 15. 11. 1915
Plessner, Elsa
München
Empfang: [16. 11. 1915 – 20. 11. 1915?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.419
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.721 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Schnitzler 1) mit roter Tinte sechs Unterstreichungen
2) mit Bleistift beschriftet: »Plessner«

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Elsa Ginsberg-Plessner an Arthur Schnitzler, 15. 11. 1915. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03729.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03729«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 15. 11. 1915

Aufenthaltsorte
Arthur Schnitzler digital (Werke 1905–1931)
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Elsa Ginsberg-Plessner an Arthur Schnitzler, 15. 11. 1915

|Pension Telephon 51151
München den 15. XI. 1915

Verehrter Herr Doctor!

Man sagt mir, dass Sie in den nächsten Wochen hierher nach München kommen werden, zur Aufführung des »einsamen Weg« in den Kammerspielen. Dadurch sehe ich mich in die Nothwendigkeit versetzt, nach geraumer Zeit wieder einmal ein Schreiben an Sie, verehrter Herr Doctor, zu richten – warum, werden Sie sofort einsehen.
Mit der vor Kurzem erfolgten, endlichen Auflösung meiner Ehe ist für mich jeder innere und äußere Grund fortgefallen, der mich verhindern |konnte, wieder als Bühnenschriftstellerin in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Daher habe ich auf Anrathen eines kleinen, wie mir scheint, recht urtheilsfähigen Freundeskreises, ein dreiactiges Schauspiel »das erste Capitel« den Münchner Kammerspielen eingereicht. Diese Arbeit, noch aus meiner Mädchenzeit stammend, ist fast die einzige meiner literarischen Jugendsünden, die begangen zu haben ich nicht bereue, und die meinem, seit vierzehn Jahren einigermaßen gereiften Urtheil heute noch wertvoll erscheint. Sie selbst, verehrter Herr Doctor, haben sie, wie alle meine Arbeiten unmittelbar nach der Entstehung gelesen, und in einem, in meinem Besitz befindlichen Briefe an mich |zu meinem größten Stolz als »unendlich fein« gelobt. – Das erste Cap. ist nun in einer leichten Überarbeitung – die nichts geschädigt hat, was an dem Stück lobenswert war – Herrn Dir. Ziegel zugesandt worden und ich bitte Sie nicht um Ihre Fürsprache, sondern ich fühle mich verpflichtet, Ihnen mitzutheilen, dass ich in dem Begleitbrief an Herrn Ziegel folgenden Passus schrieb: »Arthur Schnitzler, der die Arbeit in einer früheren Form kannte, bezeichnete sie mir als ›unendlich fein«. – –
Ich musste – verschollen, wie ich als Schriftstellerin bin –, einen Eideshelfer von Gewicht zu Hilfe rufen, damit man über das literarische Niveau des unbekannten Einsenders einigermaßen im Klaren sei. –
Es ist daher sehr leicht möglich, dass Herr Dir. Ziegel sich an Sie, verehrter Herr Doctor, mit einer dies|bezüglichen Frage wendet, wenn Sie hier sind. Um Ihnen nun die Verlegenheit zu ersparen, wenn Sie sich, wie leicht denkbar, nicht mehr an das »erste Cap.« und Ihr damaliges Urtheil erinnern, eine Verlegenheit, aus der für mich eine peinliche, folgenschwere Blamage entstehen könnte, erlaube ich mir diesen Brief an Sie.
Ihr damaliges Urtheil war für mich von entscheidender Bedeutung, was nicht hindert, dass Autor u. Stück Ihrem Gedächtnis gänzlich entschwunden sein könnten.
Ich hoffe, Sie sind nicht böse, dass ich mich ohne Ihr Vorwissen unter Ihren Schutz stellte, und dass ich Sie hiermit vielmals bitte, mich gegebenenfalls nicht zu desavouiren.
Indem ich Sie bitte, Ihrer Frau Gemahlin meinen verbindlichsten Gruß zu übermitteln
mit vorzüglicher Hochachtung
Elsa Ginsberg-Plessner.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar