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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 17. 12. 1894
Herzl, Theodor
Paris
Empfang: [18. 12. 1894 – 22. 12. 1894?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur GB, Cambridge, University Library, Schnitzler, B 39
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 3 Seiten, 2.556 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung 1) mit Bleistift von unbekannter Hand nummeriert: »18«
2) mit blauem Buntstift von Leon Kellner Markierung von Stellen für die Publikation
3) mit rotem Buntstift zwei Anstreichungen
Veröffentlichung 1
[Auszug]. In: Leon Kellner: Theodor Herzls Lehrjahre (1860–1895). Nach den handschriftlichen Quellen. Wien, Berlin: R. Löwit-Verlag 1920, S. 148.
Veröffentlichung 2
Herzl-Briefe. Herausgegeben und eingeleitet Manfred Georg. Berlin: Brandusche Verlagsbuchhandlung [1935], S. 42–44.
Veröffentlichung 3
Theodor Herzl: Briefe und autobiographische Notizen 1866–1895. Bearbeitet von Johannes Wachten in Zusammenarbeit mit Chaya Harel, Daisy Tycho und Manfred Winkler. Berlin, Frankfurt am Main, Wien: Propyläen 1983, S. 562–563 (Briefe und Tagebücher. Herausgegeben von Alex Bein, Hermann Greive, Moshe Schaerf, Julius H. Schoeps, Johannes Wachten, 1).

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 17. 12. 1894. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03839.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03839«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03839.html |titel=Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 17. 12. 1894 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1894-12-17 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 17. 12. 1894

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Theodor Herzl an Arthur Schnitzler, 17. 12. 1894

Dr Th. Herzl 17. XII. 94

Mein lieber Freund!

Dank für Ihren lieben Brief. Aber was sind Sie für ein Vernachlässiger von Details! Haben Sie eine Maschine oder werden Sie eine kriegen? Der Copist kann ja schon anfangen, sich einzuüben. Geben Sie ihm ein Buch zum Abspielen. Sie werden morgen, spätestens übermorgen den Anfang zugeschickt bekommen, vielleicht schon die ganzen 2 Acte. Das Feilen wird mir sauerer als das Schreiben, das so begeistert war. Die eine fehlende Scene im 2 Akt krieg ich gar nicht heraus. Na, ich setz mich an. Es muss gehen!
Jetzt wo ich die Sache wieder durchlebe könnt’ ich besser auf Ihre ersten Einwendungen antworten. Ich finde nicht, dass zu wenig »sympathische« Figuren da sind. Und wenn auch, soll ich meine Misanthropie fälschen? |Soll ich gerade dort wo es mir Niemand glauben wird lauter wunderedle Menschen sehen u. zeigen? Nein, Freund, das geht nicht. Ich will mich auch nicht mehr emasculiren irgend einem Erfolg zu Liebe. So rosig meine Augen überhaupt sehen können, war’s schon gemacht. Ich will durchaus keine Vertheidigung oder »Rettung« der J. machen, ich will die Frage nur mit aller Macht zur Discussion stellen! Die Kritiker und das Volk sollen dann vertheidigen oder anklagen. Komm ich nur auf die Bühne, so ist der Zweck erreicht. Was weiter geschieht ist mir Wurscht. Ich pfeif auf das Geld obwol ich beinahe keines und auf den Ruhm ohwol ich gar keinen habe. Ich will gar kein sympathischer Dichter sein. Aussprechen will ich mich von der Leber u. vom Herzen weg. Wenn dieses Stück in der Welt ist wird mir leichter um Herz und Leber sein.
Was aber Ihr feiner Dichtersinn richtig herausgefunden hat, ist: dass im Stück |mehrere andere verworren mitschwingen. Diese Stücke leben auch schon lange und so stark in mir, dass sie bei der Loslösung dieses Stückes es ein bischen befleckt haben. Ich werde also nur diese Unreinheiten weglöschen müssen.
Grössere Gesänge schlafen noch auf den ehernen Saiten. Wenn ich mir eines Tages die Freiheit vom Taglöhnern erwerbe, kommen die höheren Sachen. Ich habe noch einen ganzen Frühling in mir – vielleicht blüht er noch einmal heraus.
Die Glosse hab’ ich ins Massengrab meiner alten Stücke geworfen. Es ist ja kein Zweifel, dass ich mir die Aufführung irgendwo »richten« könnte. Das mag ich nicht. Begreifen Sie nicht, dass mir die Journalisten-Machereien beim Theater repugniren? Lieber nicht aufgeführt, als aus Gefälligkeit oder Furcht.
Sobald Sie den ersten Theil des Mscpts haben, bitte ich um die Anzeige ob der Copist begonnen hat, ob er schreibt oder abklopft.
Herzliche Grüsse von Ihrem Freund
Th. H.
    Bildrechte © University Library, Cambridge