Schon abgekühlt, also ohne sonderlichen Schmerz erhielt ich heute wieder
das zweite »Subscriptionsresultat«.
Ihre Aufgabe nähert sich ihrem Ende, und mein armes Manuscript dem Grabe.
Ich bitte Sie jetzt noch um Folgendes. Sobald Sie das Mscpt von Berlin erhalten haben, bitte
ich Sie damit zu Müller Guttenbrunn zu gehen.
Er ist so unausstehlich, dass Sie mit ihm vielleicht in schlechten Beziehungen sind;
aber so anständig dass er das Manuscript selbst eines
Feindes aufmerksam behandeln wird. Sollte freilich Ernstes vorliegen, so will ich
Sie
nicht mit dem Auftrag belästigen, sondern Schick |bitten, zu ihm zu gehen.
Sie oder
Schick wollen gütigst Folgendes sagen: der in München lebende Verfasser hat das Stück dem
Deutschen, dann dem Lessingtheater in Berlin eingereicht.
Beide haben abgelehnt. Jetzt gibt er es dem Raimund-Th.
Er ist aber vom Warten schon so entnervt, dass er sich den Bescheid innerhalb acht Tagen erbittet.
Wenn Sie gehen, lassen Sie sich
von Müller das Ehrenwort geben, dass er Niemandem
Sie als Einreicher nennt. Mein Grund dafür ist, dass man nach der – allerdings
nicht mehr recht zu erhoffenden – Aufführung durch unseren Verkehr auf die richtige Fährte kommen könnte.
Wenn Schick geht, ist diese Vorsicht |überflüssig, da ich ihn nicht kenne
u. er mich nicht.
Aber Ihr Gang hat natürlich mehr Autorität. So kann
ich Ende der nächsten Woche im Reinen sein.
Von Müller
abgelehnt, geht das Stück auf seine letzte Reise: nach
Prag. Dort lebt mir ein Freund, das ist Teweles, der
Dramaturg des Prager Theaters. Den müsste man einweihen.
Dem würde ich
sobald ich Ihre Subscriptionsresultattdepesche habe schreiben, ihm das Silentium
ehrenwörtlich abnehmen und Sie dann bitten, ihm das Mscpt zu schicken u. auch weiterhin im Verkehr mit ihm zu bleiben, weil
zu mir keine Spur aus den Theaterkanzleien führen soll.
Einer der Gründe zweiter
Klasse für mein Anonymat war, dass |ich – à mon age! — keine Körbe von
den Directionen einstecken wollte. Das wenigstens habe ich erreicht.
Es bleibt das
für junge Autoren, wie es unser fingirter Albert ist, interessante Problem, ob die
Sache eine andere Wendung genommen hätte, wenn mein Journalisten-Name bekannt
gewesen wäre.
Vielleicht ist das Stück so schlecht,
dass nicht einmal die Zeitungspression was geholfen hätte. Sie haben mir
vielleicht nicht das Richtige über mein Stück gesagt.
Geben Sie acht, ich werde Ihnen zum Schluss noch Vorwürfe machen – –
Soll ich also
meine erbärmliche Feder zerbrechen?
Nein, sie kostet zehn francs 50c., ist von
Gold, der Stiel mit Tinte angefüllt, so dass man nicht einzutauchen braucht. –
Aber untertauchen!
Herzlich Ihr Freund Th H.
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