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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 7. 1. 189[5?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: Herzl, Theodor
Wien
Textzeuge 1
Signatur ISR, Jerusalem, Central Zionist Archives, H1:1925-3
Typ
Beschreibung  Blätter,  Seiten
Handschrift , deutsche Kurrentschrift
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 247–249.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 7. 1. 189[5?]. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03918.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03918«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 7. 1. 1895

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 7. 1. 189[5?]

|Wien, 7. Jänner 94.

Mein lieber Freund!

Heute ist das Ghetto abgesandt worden. Ans deutsche Theater. Das ist auch deshalb vortheilhafter, weil Lessingtheater u. Berliner Theater jetzt denselben Director haben – Blumenthal. – Das Stück issehr gut geschrieben, die Schrift auf der Rechnung, die ich Ihrem Wunsche gemäss (den Sie mir nicht gar sstreng hätten ausdrücken müssen!) beilege, ist die des Abschreibers; – sie wird |sie über diesen Punkt beruhigen. der Begleitbrief ist vor den Anfang hingeklebt worden (natürlich auch in Abschrift.) Ich habe das Stück sehr sorgfältig in der Abschrift durchgelesen, Ihrer Angabe nach unterstrichen und kleine Correcturen angebracht, welche durch kleine Versehen des Abschreibers nothwendig wurde. Das Geheimnis ist vollkommen gewahrt; auch |Herrn Schick hab ich Ihren Namen nicht genannt, und soweit bin ich, wenn Sie nicht selbst noch jemanden eingeweiht haben, der einzige lebende Mensch außer Ihnen, der den Verfasser weiss. Es war nicht durchführbar, daß die Abschrift bei mir gemacht wurde; da ich zu den Zeiten, in welchem der Abschreiber arbeiten konnte, nicht an|wesend hätte sein können; er hat in seiner Wohnung geschrieben, mitgegeben hab ich ihm das Mscr. Abends nach 6; einmal um ½ 3, sorgfältig verschlossen. Sie können versichert sein, dass kein Unberufener Einsicht genommen hat.– Morgen geht der Brief II ans Deutsche Theater ab. |Und nun, viel Glück!– Ich habe gute Hoffnung. Es ist Ihnen gelungen ein »literarisches« Stück zu schreiben, das zugleich gutes Theater ist. Sie wissen, wie mein erster Eindruck war. Diesmal hat mir das Schauspiel noch viel besser gefallen; die Lebendigkeit der Gestalten wurde mir eindringlicher und es sind eine |ganze Reihe von Scenen darin, die nicht nur in menschlicher Hinsicht ergreifen, die auch auf der Bühne packen müssen. Einige Figuren habe ich jetzt ersso recht lieb gewonnen. Wie prächtig diese alten Samuels! Schwer zu besetzen wird es sein – Menschen! Menschen! – Noch immer scheint mir Jacob der |bläßeste zu sein. Durch seine Haut schimmert zu stark, was ja schon kräftig genug in den Vorgängen des Dramas sich ausdrückt, – die Idee des Stücks. Der Grundfehler aller modernen Helden beinahe?–
Es ist wahrhaftig ein Stück, an dem man sich freuen kann, ein Stück des Lebens, das rings um uns ist, |das Stück eines ganz lebendigen, mit Geberden, die heftig und doch zielbewußt, absichtsvoll und doch mannigfaltig sind. Was Sie überhaupt für ein Meister der Plastik sind. Ihr letztes Feuilleton war unvergleichlich. Wie man diese Leute sieht, hört – es gibt keinen, der diese Schärfe in den Linien träfe, der so Figuren umreißen könnte.–
Leben Sie wohl, mein lieben Freund! Die treuesten Wünsche begleiten Ihr Stück nach Berlin.
Ihr Arth Schn
    Bildrechte © Central Zionist Archives, Jerusalem