Lieber Freund!
Sie schildern Ischl mit allen seinen Reizen ja verlockend genug, aber es ist doch nicht
wahrscheinlich, daß ich die stattliche Zahl seiner Gäste vermehren werde. Ich bin
eben so gar nicht in der Stimmung, die für Ischl erforderlich ist und ich würde nur Anderen die Laune verderben. In Wien ist es übrigens bis jetzt ganz erträglich und
wenn ich ein Poet oder |eine Künstlernatur wäre, so könnte ich auf meinen Spaziergängen überRing- und Gürtelstraße in
dem sommerlichen Wien
die schönsten Entdeckungen machen; ich könnte die
träumende Großstadtseele belauschen, die sich über sich selbst beugt, um das Leben zu
deuten und dem ironisch lächelnden Schicksal seine letzten perversen Heimlichkeiten
abzulisten – nein, es geht wirklich nicht, ich kann nun
einmal in dem Genre nichts leisten. – Es ist auch noch gar nicht so leer hier, wie
die abwesenden |oberen Zehntausend
protzig anzunehmen belieben, man trifft sogar noch Dichter, wenn man Glück hat; vor wenigen, Tagen habe ich im Verlauf
einer Viertelstunde zwei gesehen: die Herren Eber- und Dörmann.
– In den ersten Tagen des August werde ich aber wahrscheinlich doch fortgehen,
nicht aus eigenem Antrieb, nicht um mich zu erholen, nur um der Schande zu entrinnen, den ganzen Sommer hier gewesen zu sein, um ein Alibi nachweisen zu können, um
im |Herbst auf die zahlreichen Fragen
»Wo waren Sie?« doch etwas antworten zu können. Wohin,
weiß ich noch nicht und sicher ist’s auch noch nicht. – Max ist schon seit 14 Tagen in Sulden. Haben Sie schon von einem Autor Hans von Kahlenberg etwas gehört? Man hat mir vor einigen Tagen ein Buch »Ein Narr« zugeschickt. Wieder Einer, der Talent zu haben scheint. Es ist entsetzlich!
Herzlichst
Ihr
GustavSchwkpf
Ihr
GustavSchwkpf
Bitte, grüßen Sie Beer-Hofmann
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