Die »Glosse« habe ich Ihnen schon vor mehreren
Tagen geschickt.
Ich bin nur schwer wieder in meine Arbeit hineingekommen. Sie hat mir wochenlang einen unsagbaren Ekel
eingeflösst – aber ich will Sie nicht mit allen neurasthenischen Erscheinungen meiner
Production langweilen. Kurz, ich kann jetzt wieder die Sache in die Hand nehmen und
feilen. Die Abschrift wird
bald fertig werden. Wenn ich aber fertig bin, soll keine Sekunde versäumt werden.
Denn dann wird mir wieder das Warten auf die Entscheidung fürchterlich auf die Nerven
gehen. Ich konnte schon Ihr erstes Urtheil nicht erwarten, u. da Ihr Brief einige Tage auf sich warten liess, war
ich ganz zapplig. Ich werde mich nun offenbar in Geduld fassen müssen, bis ich eine
Entscheidung von den Directoren sehe, aber die
Expedition wenigstens soll |nicht um
eine Stunde über das Nöthige hinausgezögert werden.
Das Manuscript von meiner Hand
kann ich natürlich nicht einreichen. Ich dachte zuerst daran, es hier auf einer
Schreibmaschine abzuspielen. Das wäre das Beste, auch das leserlichste. Aber ich
könnte das bei mir zu Hause nicht, ohne Aufsehen zu machen. Also will ich mein
definitives Manuscript in Wien abschreiben lassen.
Vielleicht könnten Sie sich eine Schreibmaschine ausleihen. Hier gibt die Niederlage
der Yost-Maschinen auf 14 Tage bis 3 Wochen Maschinen zur Probe ins Haus. Man kann
sie dann zurückgeben u. ich hätte in diesem Fall Trinkgelder gegeben oder versucht
ein Leihgeld zu zahlen. Vielleicht können Sie das in Wien auch? Dann wurde ich Sie bitten, von Schick einen intelligenten Abschreiber zu verlangen, der das Spielen auf der
Maschine in einer Stunde heraushätte u. – erst langsam dann immer schneller – das
Manuscript abklopfen würde.
Geht’s mit der Maschine nicht, so müssten wir uns von Schick oder vielleicht lieber von |der Universität einen Abschreiber holen. Die Wahl des
Abschreibers ist wichtig, weil er ja später was verrathen könnte. Darum möchte ich
auch nicht, dass das Mscpt
einem Theater-Abschreibe-Bureau übergeben werde. Der Schreiber muss bei Ihnen sitzen
– ich mache Ihnen viel Mühe! – denn ich wollte nicht, dass das Mscpt aus Ihren Händen komme. Natürlich
muss er eine wunderschöne, sehr klare sehr leserliche Schrift haben. Bezahlen Sie
ihn
reichlich, lieber Freund und theilen Sie mir gütigst sofort alle Ihre Auslagen mit,
denn Kosten darf Sie die Sache mindestens nichts.
Damit die Abschrift recht
schnell fertig werde, will ich das Mscpt in mehreren Bruchstücken an Sie absenden. Der Schreiber soll sofort
nach Eintreffen des ersten anfangen. Wenn alles fertig, bitte ich sie die Reinschrift
von einem Buchbinder brochiren zu lassen, dem aber nur ein paar Stunden Zeit gelassen
werden dürfen, damit er das Buch nicht lese. Natürlich ein Buchbinder, der Sie nicht kennt.
Das sind vorläufig alle meine Wünsche. Mache ich Ihnen zu viel Mühe?
Ich bitte Sie auch um den vollen Namen Schicks,
den ich für den Begleitbrief brauche. |Bleibt die Adresse Reisnerstrasse?
– Ich bin neugierig, was Sie zur Revision meines Stückes sagen. Ich will Sie bitten, diese Revision erst in
der Reinschrift des Abschreibers zu lesen, damit Sie seine Fehler entdecken
u. corrigiren können. Lesen Sie sie vorher, so sind Sie dabei nicht mehr
aufmerksam.
Also für heute Schluss.
Mit herzlichen Grüssen Ihr Freund
Herzl
Herzl
Antwort, auch diesmal, wie immer wenn nichts
Besonderes vorliegt, an meine Adresse rue
Monceau
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