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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 13. 6. 1893
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [14. 6. 1893 – 15. 6. 1893]
Herzl, Theodor
Paris
Textzeuge 1
Signatur ISR, Jerusalem, Central Zionist Archives, H1:1924-6
Typ Brief
Beschreibung 2 Blätter, 7 Seiten, 2.310 Zeichen (Briefpapier mit Trauerrand)
Handschrift schwarze Tinte, deutsche Kurrentschrift
Zufügungen
Ordnung mit Bleistift von unbekannter Hand innerhalb das Konvoluts paginiert: »21«–»23«
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1875–1912. Herausgegeben von Therese Nickl, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1981, S. 206–207.

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 13. 6. 1893. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03944.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03944«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Dienstag, 13. 6. 1893

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Briefe mit Autorinnen und Autoren
Wiener Schnitzler
Weiteres

Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 13. 6. 1893

|Lieber Freund,

Sie diesen Sommer in Wien zu sehen, wäre mir eine große Freude. Ich selbst dürfte mich kaum von hier entfernen; – abgesehen von der Zeit Mitte August bis September, wo ich mich in den Dienst des Vaterlandes stellen, dh. einrücken muss. Wahrscheinlich Bruck. – Sonst kann ich kaum von hier weg; ohne gerade viel zu thun zu haben, bin ich gebunden. Jedenfalls |haben Sie die Güte, mir näheres über Ihre Ankunft mitzutheilen, wie über Ihre Pläne überhaupt. – Ich weiss auch nicht, ob das Ereignis, welches Sie in Ihrem letzten Briefe avisiren, bereits eingetroffen ist. Jedenfalls – viel Glück dazu! –
Was mich anbelangt, so hab ich mich »derfangen«, so gut es ging, u. versuche da u dort wieder ins Arbeiten zu kommen. Klinik, Praxis u das mediz. Journal das ich |leite, nehmen mir viel Zeit weg, lassen mir aber innerlich eine gewisse Freiheit. Die Praxis nimmt nemlich auch Zeit weg, ohne dass man Patienten hat, das ist das arge, und wenn statt 1 oder 2 Leuten 16–20 in die Ordination kämen, so gäbe das kaum mehr zu thun, und hätte doch seine Vortheile. – Ich schreibe jetzt meistens spät Abends, so um die Mitternacht herum, im Kaffehaus. Dort, beim Rathaus, |dem Park vis à vis. – Es soll etwas zärtliches und lustiges werden, – der geheime Trieb ist aber offenbar der: – ich will wieder schreiben lernen. – Zum »Flüchtling« in Berlin muss ich Ihnen noch gratuliren. Ueberhaupt wächst meine Hochachtung für Menschen, die aufgeführt werden, immer mehr, seit ich sehe, wie weit der Weg vom Angenommenwerden zum Aufgeführtwerden ist. – |In Prag bin ich über die Moral des Intendanten Dr. Schlesinger gestolpert, der über das Märchen »empört« war, – und von Berlin aus werde ich nachdrücklich verachtet; man beantwortet weder meine höflichen noch meine – andern Briefe. »Man spuckt aus u. geht weiter« schrieben Sie mir einmal. Sie haben ja so Recht! – Aber merkwürdigerweise hilft auch das Spucken und Weitergehn nichts. Die Direktoren u. ähnliches denkt |sich eben: – »Man wischt sich ab und schurkt weiter.« – Und sie sind die Klügeren – sie kostet’s nur das Schnupftuch, aber uns die Lungen. –
Na genug für heute, mein lieber Herr Doktor; ich hoffe recht bald von Ihnen zu hören. – Und haben Sie noch keine genauen Sommerpläne, so berichten Sie mir wenigstens in 2 Zeilen, wie’s Ihnen geht.
|Ihr herzlich ergebner DrArthSchnitzl
13. 6. 93
    Bildrechte © Central Zionist Archives, Jerusalem