Einstellungen

Ansicht
Faksimile
Bilder neben dem Text
Textkritik
Textkritische Zeichen
Langes-s (ſ)
Gemination m (m̅)
Gemination n (n̅)
Streichung
Hinzufügung
Markierung von Entitäten
Alle Markierungen
Personen
Werke
Orte
Institutionen
Ereignisse

Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 4. 3. 1929
Schnitzler, Arthur
Wien
Empfang: [4. 3. 1929 – 7. 3. 1929?]
Zuckerkandl, Berta
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, HS.1985.1.2282
Typ Brief
Beschreibung Durchschlag, 2 Blätter, 3 Seiten, 4.222 Zeichen
Herstellung Schreibmaschine
Handschrift Arthur Schnitzler roter Buntstift, lateinische Kurrentschrift (beschriftet: » Zuckerkandl « und » Frankreich «, zwei Unterstreichungen)
Handschrift roter Buntstift, lateinische Kurrentschrift (beschriftet: »K opie ? «)
Veröffentlichung 1
Arthur Schnitzler: Briefe 1913–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik, Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1984, S. 594–596.

Textqualität

Diese Abschrift wurde noch nicht ausreichend mit dem Original abgeglichen. Sie sollte derzeit nicht – oder nur durch eigenen Abgleich mit dem Faksimile, falls vorliegend – als Zitatvorlage dienen.

Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 4. 3. 1929. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03975.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03975«.

Wikipedia-Vorlage
{{Internetquelle |url=https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03975.html |titel=Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 4. 3. 1929 |werk=Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren |hrsg=Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke |sprache=de |datum=1929-03-04 |abruf=2026-06-18 }}
Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 4. 3. 1929

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Pollaczek: Schnitzler und ich
Wiener Schnitzler
Gedruckte Briefwechsel

Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 4. 3. 1929

Quelle: Arthur Schnitzler: Briefe 1913–1931. Hrsg. v. Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik und Heinrich Schnitzler. Frankfurt am Main: S. Fischer 1984. (PDF unter: https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/)

Mikroverfilmung des Nachlasses

Mappe A227

Datumsangabe auf Blatt von Zug der Schatten

Weiteres

Arthur Schnitzler an Berta Zuckerkandl, 4. 3. 1929

|4. 3. 1929.

Liebe und verehrte Freundin.

Sie teilen mir mit, dass Antoine die Absicht hegt, meine Szenenreihe »Reigen« aufzuführen und die Frage der Inszenierung einigermassen schwierig findet. Mir persönlich scheint diese Frage keineswegs schwer lösbar. Ganz klar ist, dass man über die Gedankenstriche nicht anders hinwegkommen kann, als durch eine möglichst kurze Pause, ob diese nun durch Vorhang, Schleier oder Verdunkelung symbolisiert und zugleich verwirklicht wird. Verdunkelung, wenn vollkommen möglich, scheint mir immer noch das Beste. Man vergesse doch nicht, wie oft schon bei szenischen Aufführungen und selbst bei solchen von klassischen Stücken der psychologische oder besser psychophysiologische Moment, der dem Zuschauer natürlicherweise vorenthalten werden muss, durch Fallen des Vorhangs oder Verdunkelung gekennzeichnet wurde, ohne dass es den geringsten Anstoss erregte. Der »Reigen« war in dieser Hinsicht keineswegs etwas Neues und die zehnfache Wiederkehr ändert nichts an dem Wesentlichen der Sache. Wir wissen ja Alle, dass der Widerstand gegen den »Reigen«, insbesondere der gegen die Aufführungen des »Reigen«, keineswegs aus reinen oder reinlichen Motiven erfolgt ist und dass die alberne, brutale und verlogene Hetze in hohem Maasse durch parteipolitische Motive bedingt war, die anderswo als in Deutschland und Oesterreich a priori wegfallen müssten. Wer sich über die Gründe, insbesondere aber über die Technik dieser »Reigen«-Hetze gründlich informieren, dabei ein Stück Kulturgeschichte kennen lernen und sich nebstbei vorzüglich amüsieren will, dem kann ich nur raten das Buch »Der Kampf um den Reigen« zu lesen, der das stenographische Protokoll eines im Jahre 1921 stattgefundenen sechstätigen Prozesses gegen Direktion und Darsteller des Kleinen Schauspielhauses in Berlin enthält (herausgegeben vom Staats|minister a. D. Wolfgang Heine, erschienen bei Rowohlt) und nebstbei auch Gutachten führender Männer über das Werk bringt. Ich meine, dass sittliche Bedenken gegen eine Aufführung des Werkes an einem künstlerisch geleiteten Theater heute überhaupt nicht mehr obwalten können und dass insbesondere im Laufe der letzten Jahre Dutzende von Theaterstücken aller Art auch an hervorragenden Bühnen in Szene gegangen sind, denen gegenüber der Vorwurf der Frivolität, Obszönität, Immoralität (wenn man sich überhaupt mit Vorwürfen dieser Art innerhalb der Kunst ernsthaft auseinandersetzen will) hundertmal mehr gerechtfertigt gewesen wären, als gerade gegenüber dem »Reigen«.
Dies im allgemeinen. Selbstverständlich bietet der »Reigen«, wie am Ende jedes Stück, ausser der allgemeinen Frage der Bühnenmöglichkeit noch spezielle Probleme der Inszenierung, die aber meiner Ansicht nach nur in gemeinsamer Besprechung mit dem Regisseur und Dekorateur, keineswegs durch theoretische Erörterungen zu lösen wären. Schwierigkeiten sehe ich nirgends. Trotzdem aber möchte ich nicht verhehlen, dass mir persönlich eine Aufführung des »Reigen« in Paris erst dann recht willkommen wäre, wenn man vorher eines meiner anderen Dramen zur Aufführung gebracht hätte, das nicht von vornherein törichten oder böswilligen Missverständnissen ausgesetzt sein könnte. Dieser Gefahr läge ja meiner Ansicht nach überhaupt nicht vor, wenn nicht gerade dem »Reigen« jener ungerechtfertigte Ruf der Kühnheit oder Unsittlichkeit vorherginge und wenn ich in Frankreich heute schon bekannter, oder sagen wir populärer wäre, als ich es bin. Dies sind praktische Erwägungen, nichts weiter, die ich natürlich auch Antoine gegenüber nicht verschweigen wollte, (dem ich schon für meine ersten, recht weit zurückliegenden Erfolge in Paris zu so herzlichem |Dank verpflichtet bin); dass ich im übrigen durchaus in der Lage bin jede Verantwortung für die Erlaubnis zu einer öffentlichen Aufführung des »Reigen« auf mich zu nehmen, wenn eine solche unter der Patronanz eines Theatermanns von Weltruf, wie Antoine, stattfindet, brauche ich nicht erst zu versichern.
Ich werde Ihnen dankbar sein, verehrteste Freundin, wenn Sie anlässlich einer neuerlichen Begegnung mit Antoine ihn von diesem meinen Standpunkt in Kenntnis setzen und ihm zugleich meine herzlichen Grüssen bestellen wollten.
Herzlichst
Ihr aufrichtig ergebener
 
Frau Hofrätin Bertha Zuckerkandl,
Wien.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar