Mein lieber Gu
stav, hier
sind wir gelandet (auf wie lang?) In
Salzburg waren
wir 14 Tage, lebten behaglich, ich arbeitete nicht wenig; da
nn gingen wir auf die Wander
schaft:
Innsbruck (
Stubaithal,
Igls) 2 Tage, dann
Landeck, wo
selb
st vor 3 Tagen
Liesl zu uns stie
ss. Da
nn bin ich den
Arlberg abgeradelt (hinauf immer
per Bahn), bis
Bludenz, und nun haben
wir uns zu die
sem Ort ent
schlo
ssen, de
ssen Vorzüge
sich zweifellos noch mehr
er
schließen werden, we
nn das Wetter con
stant
sein wird
und ich nicht jede Nacht irgend eine Art von Ge
|birgsa
sthma haben werde. Es i
st
vorläufg noch ziemlich leer – wir wohnen in einem netten
Privathaus – ich zahle für mein hüb
sches
angenehmes Zimmer 60 Kreuzer (zwei Fen
ster),
X außer uns dreien wohnt noch niemand in dem Haus, vor 15. Juli ko
mmt wohl niemand. Um die
se Zeit
steigen wir wohl wieder
zu Thal. Es
sei denn d
ss Sie
sich doch ent
schlö
ssen hieher zu kommen. Da
nn bleiben wir,
solang es Ihnen beliebt. Schreiben Sie
ein Wort – und ein Zimmer zu 60 Kronen i
st für Sie bereit. Denken Sie, da
ss ich ein
gemeiner Egoi
st bin und Sie nie zu etwas auffordern würde, was
mir |nicht
sehr angenehm wäre. So darf ich
mir alles weitere er
sparen. –
Ich
schreibe am
2.
Akt meines neuen
Stückes. In die
sem
2. Akt
ko
mmt überhaupt kein weibliches We
sen vor, was
mich
sehr
stolz macht. –
Hofmannsthal und
Frau sahen wir in
Innsbruck – wir fuhren eben im Wagen – sie
wandelten zu Fu
ss. Von
Richard bekam ich ge
stern einen Brief
; er
scheint nicht
sehr
guter Laune, war ein paar Tage in
Venedig. – We
nn es Ihnen nicht unbequem i
st, bitte kaufen Sie
gelegentlich 2 Nummern des
Kikeriki vom
27. Juni u bewahren
sie
mir auf. Ich nehme an, Sie haben einiges über die
Gustelei gele
sen. Im Ausland
war man allgemein fa
st liebens
|würdg
gegen mich. In
Wien fehlte es natürlich nicht an
gemeinen Lügen, und
Karl Kraus hat die Neuigkeit
erfunden, da
ss ich ein Ge
such eingereicht
habe, um Landwehrarzt
bleiben zu dürfen.
Die
Reichswehr erzählte, wie gern ich mit Stürmer und Säbel herum
stolzirt.
sei. – Da
ss
↓ich↓ die 2. Be
schuldigung, ich habe gegen die
Reichswehr keine Schritte unternommen, er
st aus dem Urtheil erfuhr, können Sie
sich
denken. Ich
schrieb es der
N. Fr. Pr. aber die
war wohl froh, da
ss
sie die Sache hinter
sich hatte. Leider hab ich eine Du
mmheit begangen. Zu meiner er
sten Überra
schung über
|den
Leitartikel der
N. F. Pr. – aus dem ich überhaupt er
st erfuhr, d
ss die Sache
publik war – und da ich
sicher gedacht hatte, gerade die
N. Fr. Pr. würde die Sache ganz todt
schweigen – u nach
einer
sehr flüchtigen Lecture hab ich mich bei der
N.
Fr. Pr., allerdings
sehr kühl, bedankt. Trotzdem ärgert mich das heute. Denn
ich finde
↓heute↓, da
ss der
Leitartikel über die
se Sache eben
so du
mm als feig war. Nun genug davon. –
La
ssen Sie bald hören. Im übrigen verwei
se ich nochmals auf
Seite 3, Zeile 1 u. 2.
Von Herzen
Ihr Arth Sch
|[handschriftlich Olga Schnitzler:] Lieber Herr Schwarzkopf, wir grüßen Sie beide herzlich.
OlgaG.
[handschriftlich Elisabeth Steinrück:] Ich hoffe, Sie kommen gleich. Mehr kann ich heut’ nicht
sagen, denn ich habe Halsweh!
Ihre
Liesl.