|Lieber Gustav, Ihre Profezeihungen sind zum Theil eingetroffen; am wenigsten die (allerdings unvorsichtigste) mit dem Arbeiten, am stärksten die (cynische) mit dem Zeitvertreib. Ich habe ein Stück zu schreiben begonnen; ein ganz andres, als ich ursprünglich wollte; war im Anfang sehr begeistert, bin aber nun merklich abgekühlt. Radeln thu ich viel – noch immer mit dem alten Rad – das Londoner ist noch nicht einmal fertig. |Aber die Axen beginnen zu knacken, und ich würde es nicht einmal mehr wagen, Ihnen diesen alten Kasten anzutragen. Mit der Zeit werden Räder nemlich lebensgefährliche Geschenke (auch für die, die sich draufsetzen.) Sehr bald muss ich fort von hier und glaube mit Sicherheit drauf rechnen zu können, daß ich Sie in Wien noch antreffe. Ich muss nemlich in der Ihnen bekannten Affaire »per sofort« wie der schöne Ausdruck lautet, Woh|nung suchen, da jener biedere Forstmann über die von mir (allerdgs ohne Angabe) gemiethete bereits verfügt hat. – Ahnen Sie, wie unbequem solche Sachen sind?– Aber später veranlangt man dann Dankbarkeit, Liebe, ja sogar Respekt! –
Sind Sie schon über Ihren Sommer schlüssig? Am 26. circa bin ich in Wien. Ich such Sie bald auf. Ist Ihr Bruder noch in Wien? Grüßen Sie Ihn für diesen Fall.
|Auf baldges Wiedersehn
also und herzliche Grüße
von Ihrem ArthSch
Ischl 15/7 97
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