Lieber Arthur, mein Bruder
Max, der wieder 8 Tage unwol war, i
st ge
stern auf 4 Wochen abgerei
st; daraus
ergibt
sich – Sie ke
nnen ja
schon die Einteilung un
seres
Hau
ses – daß ich jetzt nicht gut fort ka
nn, überdies
soll
jetzt ent
schieden werden ob un
ser
Haus stehen bleiben und un
sere Wohnung hergerichtet werden
soll oder nicht,
was wieder – in meiner Eigen
schaft als Hausfrau – meine Anwe
senheit erfordert. Sie
sehen al
so –
so liebenswürdige Formen Ihr »Egoismus« auch anni
mmt, um mich aufzufordern, und
so gern ich
selb
st wieder
einmal ein paar Tage mit Ihnen verbringen möchte, es geht nicht, wenig
stens nicht im
Juli, vielleicht im Augu
st, we
nn Sie doch vielleicht in
die Nähe des
Wörther See’s ko
mmen und ich – den
|»dringenden Einladungen« folgend,
vielleicht doch einige Tage dort verbringe. – Über die
Gustel-Angelegenheit hab ich nichts gele
sen – ich war damals
grad in der
Brühl – als den
Leitartikel der »
Presse« und die »
Fackel«. Der
Leitartikel war
echte N. f. Presse du
mm,
feig und gemein, – der »brave« Schüler, der nur
sich vor Strafe
schützen und
sich
beim Herrn Lehrer ein
schmeicheln will – und doch, glauben Sie mir, haben Sie in den
Augen vieler Leute
sehr an Bedeutung gewo
nnen, weil Sie
Gegen
stand eines Leitartikels waren und das Quantum Neid, das Ihnen in die
sen Tagen
zugedacht war, i
st vielleicht Ur
sache des Drucks, den Sie in fal
scher Diagno
se – wozu
wären Sie de
nn Arzt? – Gebirgsa
sthma ne
nnen und der jetzt hoffentlich
schon ver
schwunden
|i
st. Der Druck nämlich, nicht der
Neid. Der Re
spekt vor dem
Blatt und
be
sonders vor dem Gewä
sch an
der Stelle, die
sich
son
st nur mit
Gregorig,
Wolf oder den Reden
Wilhelm’s
be
schäftigt, wurzelt doch noch
sehr tief – trotz
Kraus. Die
N. f. Presse hat al
so gewiß
Ihren Dank erwartet und eigentlich blieb Ihnen zu nichts andres übrig nach den
Ge
setzen der Höflichkeit. Daß Sie
sich darüber ärgern, es getan zu haben, begreife
ich
sehr gut. Es i
st
so wie hie und da bei
Soupers. Man hat
schlecht gege
ssen und
sich
sehr gelangweilt aber beim Fortgehen dankt man doch der
Hausfrau für den genußreichen Abend und
schämt
sich dabei, während man es aus
spricht.
Wenig
stens ich habe mir früher die
se Regie
spe
sen – das Schämen – gemacht. Jetzt denke
ich nicht mehr.
|Die zwei
Nummern »
Kikeriki« werde ich heute
be
sorgen. Sehen Sie, wie es
sich verlohnt, gemeint zu
sein: Wären Sie im »
Kikeriki«, geprie
sen worden, Sie würden
vielleicht nicht einmal
eine Nu
mmer kaufen la
ssen. –
Richard und
Frau
habe ich hier in
Wien ge
sprochen; die
Frau seines Vaters
Beer, die
schon lange leidend war, i
st plötzlich ge
storben; den
Vater hat er jetzt mit
sich nach
Pörtschach geno
mmen.–
– – Von mir kann ich Ihnen nichts berichten, weder äußere noch innere,
Erlebni
sse. Im »
deutschen Theater« war ich nicht,
dafür habe ich auch »
Schall und Rauch« nicht mit
meinem Be
such beehrt. Ge
schäfte
sollen nicht gut gewe
sen
sein. –
–
Bitte,
sagen Sie den beiden jungen
Damen mein be
sten Dank für ihre freundlichen Worte und be
stellen Sie meine
ergeben
sten Grüße.