|Administration: VII.
Seidengasse 7 (Jos. Eberle & Co.)
Chef-Redacteur: Dr. F. Mamroth – Redaction: IX., Berggasse 31.
Wien, den 9. Dezember 1888.
Hochgeehrter Herr!
Wir haben die Erzählung, die Sie uns
freundlichst eingesandt, mit dem lebhaftesten Interesse gelesen. Wir finden die Idee
Ihrer Arbeit originell und
fesselnd, die Durchführung recht gewandt; überhaupt scheint sie uns zu einem neuen
Genre zu gehören, das verdient kultiviert zu werden.
Wir sind freilich auch mit einigem in Ihrer Arbeit nicht |einverstanden.
Wir meinen, es dürfe nicht, wie das geschieht, der Leser bis zum Schlusse im Unklaren
gelassen werden, ob er einen Wahnsinnigen oder einen Phantasten vor sich hat. Wir
glauben, es würde der Erzählung entschieden zum Vortheil gereichen, wenn das erzählende »Ich« als
Mediziner hingestellt würde, der sich über das Benehmen seines Freundes im Verlaufe
der Entwicklung ziemlich entschieden vom medizinischen Standpunkt ausspräche; er
braucht ihn ja nicht geradezu als irrsinnig zu erklären, aber er kann doch hier und
da auf die flüssige Grenze zwischen Wahnsinn und dichterischem Talent hinweisen und
ausdrücken, daß |der Fall seines Freundes in dieses
Grenzgebiet gehöre. Mit einem Worte: die Erzählung soll einen Stich ins
Medizinische bekommen.
Wenn Sie, hochgeehrter Herr, sich freundlichst bereit finden, eine Änderung Ihrer Arbeit in diesem Sinne
vorzunehmen, so sind wir mit vielem Vergnügen bereit, dieselbe in unserem Blatte zu veröffentlichen.
Wir bitten Sie, uns baldgefälligst antworten zu wollen, und empfehlen |uns Ihnen
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