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Überlieferung

Versand  Empfang
Versand: 8. 10. 1900
Plessner, Elsa
Wien
Empfang: [8. 10. 1900 – 11. 10. 1900?]
Schnitzler, Arthur
Wien
Textzeuge 1
Signatur D, Marbach am Neckar, Deutsches Literaturarchiv, A:Schnitzler, HS.1985.1.419
Typ Brief
Beschreibung 1 Blatt, 4 Seiten, 2.330 Zeichen
Handschrift schwarze Tinte, lateinische Kurrentschrift

Textqualität

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Zitieren

Empfohlene Zitierweise
Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 8. 10. 1900. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Digitale Edition. Herausgegeben von Martin Anton Müller mit Gerd Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke, https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L03727.html (Abfrage 18. 6. 2026)
Kurz-Identifier

Für gekürzte Zitate reicht die Angabe der Briefnummer aus, die eindeutig und persistent ist: »L03727«.

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Quelldaten

Die Quelldaten (TEI-XML) dieser Edition sind über Zenodo dauerhaft archiviert und zitierbar: DOI 10.5281/zenodo.20309129

Chronik

Montag, 8. 10. 1900

Aufenthaltsorte
Tagebuch
Wiener Schnitzler
Weiteres

Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 8. 10. 1900

den 8. October 1900

Verehrter, lieber Herr Doctor!

Da ist also endlich das Buch, das, wie Sie wissen, eigentlich Ihnen zugeeignet ist. Die Widmung drucken zu lassen, wäre aber geschmacklos gewesen und ich weiß zu genau, wie Sie darüber denken. –
Sie werden natürlich lauter alte Bekannte unter den Arbeiten finden, die schon früher Ihrer Kritik überantwortet waren, und die Sie meist zur ganzen oder theilweisen Umarbeitung verurtheilt haben.
Seien Sie nicht böse, dass ich Ihnen darin nicht immer Folge geleistet habe. Nur zum kleinsten Theil geschah es aus principiellen Grün|den, dass ich die einmal vorliegende Fassung der Arbeit gegen Ihre Kritik aufrechterhielt. (Siehe »Warten, Warum«) Zum grössten Theil war es die mir leider anhaftende Eigenschaft, mich mit einem Stoff, dessen Ausgestaltung – ob gut oder schlecht – fertig vor mir liegt, nicht nochmals befassen zu können. Es ist keine Leichtfertigkeit – glauben Sie das ja nicht – und auch nicht Mangel an Selbstkritik, denn meistens sagt mir mein künstlerisches Gewissen dasselbe, was Ihre Kritik – nur in verschärfter Tonart – bemängelt. Aber ich entwickele mich so rapid, (leider? oder G. s. D.?) dass ich in Schnellzugsgeschwindigkeit die Stationen durcheile und wenn man von mir verlangt, nach einer überholten Haltestelle zurückzukehren, so finde ich weder Stimmung noch Gedanken der Arbeit |rein und unbeeinträchtigt wieder. Es käme einfach gar nichts heraus! –
Ich weiß, Sie werden wieder schimpfen. Aber Sie glauben gar nicht, wie dankbar ich Ihnen dafür bin und dürfen nicht in die falsche Meinung verfallen, dass Ihre Kritik an meinen Arbeiten resultatlos sei. O nein!!! Was Sie mir über eine Arbeit sagen, trägt an der nächstfolgenden Früchte. So erziehen Sie mich seit fünf Jahren – wahrscheinlich ohne es selbst zu wissen. – –
Ich will damit nicht sagen, dass ich mich nicht manchmal gegen Ihre Meinung auflehne – besonders auf dramatisch-technischem Gebiet –. Aber wäre mein Talent Ihrer Kritik wert, |wenn es sich so rückhaltlos einer anderen künstlerischen Individualität unterordnen könnte?
Ich hoffe, Sie werden über diese literarische Liebeserklärung nicht lachen und nur freundlichst Nachricht geben, welchen Eindruck das Buch in seiner Gesammtheit auf Sie gemacht hat. Ich bin sehr gespannt darauf.
Verehrungsvolle u herzliche Grüße von
Elsa Plessner.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar